Die Dame mit dem Hermelin von Jörg Baltes mal anders gesehen. Foto: Helene Braun

Stadecken-Elsheim/Finthen – Bereits in den letzten Jahren ist Jörg Baltes durch seine satirische, durchaus auch mal sarkastsiche Ader bei den Ad Fontes-Ausstellungen aufgefallen. „Auch aus dem Goldhahn kommt kein sauberes Wasser“, erklärte er zu einem seiner Bilder, „Der letzte Tropfen“ betitelt, die allesamt mit Farbstift gemalt sind. Glücklich zeigten sich Ad Fontes-Sprecher Siegfried Liedtke und der Finther Ortsvorsteher Herbert Schäfer, dass sie für die 32. Ausstellung Gast in der Stadecken-Elsheimer Burgscheune sein durften.

Nicht ganz so viele Künstler wie sonst, nicht ganz so viele Gäste waren gekommen. Dafür hatte der Besucher die Qual der Wahl, unter den wirklich ausgewählten Kunstwerken sein Lieblingssujet auszumachen. Leonardo oder Jörg Baltes? Beim Bild „Die Dame mit dem Hermelin“ hat er die Köpfe vertauscht, nun hält der Hermelin die Dame. In einer Collage, die Baltes „Totes Kapital“ genannt hat und die für die Stadt Trier entstanden ist, sieht man das Porträt von Karl Marx. Zwischen lauter Ostgeldschnipseln wird es sichtbar. „Main Chaaaatz“: Gollum aus „Herr der Ringe“ hält die Kostbarkeit zwischen den Fingern, die Augen treten ihm vor Gier fast aus dem Kopf. Wie kommt er zu den unterschiedlichen Themen? „Das geschieht oft über die Technik, was ich noch nicht konnte, probiere ich aus“, so Baltes.

Wieder voll fantastisch ausgetobt hat sich Harald Arvid Irgens, der gebürtige Norweger. Auf dem Boden findet man sich aufrichtend eine Art Zombie, halb verwest in purpurnem Umhang. Die Plastik kann einem einen ganz schönen Schrecken einjagen, wenn sie plötzlich ins Blickfeld rückt. Daneben ein eher harmloses Stillleben und dann wieder erschreckend „Das digitale Ich“, eine Plastik mit Drähten statt eins Gehirns, die dem Kopf bereits aus Mund und Nase kommen.

Siegfried Liedtke überzeugte wieder mit Ölmalerei in wunderschönen Farben und Stimmungen in seinen Landschaftsbildern aus Südfrankreich und heimischen Gefilden. Zum Thema „Me too“ hat Dieter Grünewald Hashtags wie Gitter vor die Fotos unendlich vieler Frauen gesetzt. Mit Collagen aus Bild und Schrift, am Computer zusammengesetzt, hat er das aktuelle Thema „Sexuelle Nötigung“ zum diesjährigen Schwerpunkt erhoben.

Ortwin Siebert, Autodidakt und Schüler von Guido Ludes, zeigte Ortsansichten von Finthen, Nieder-Olm oder Armsheim in Acryl aus seinem Zyklus „Mainz und Rheinhessen“. Siebert: „Ich habe mich diesmal auf konkrete Motive beschränkt.“ In Material und Motiv der Natur zugewandt, beschäftigt sich Peter Schäfer-Oswald mit Malerei und Plastik. Weiter dabei: Thomas Brenner, Helga Schätzel, Gerhard Schlich, Ute Wald und Eva-Renate Wetter.

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.