Wolfgang Bärnwick war zehn Jahre lang Präsident der SpVgg Ingelheim. Foto: red

INGELHEIM – Wolfgang Bärnwick hat nach zehn Jahren das Amt des Präsidenten der SpVgg Ingelheim abgegeben. Wir sprachen mit ihm über die immer einfache Aufgabe, dem Verein vorzustehen.

Herr Bärnwick, nach zehn Jahren Präsidentschaft bei der SpVgg Ingelheim haben Sie die Kommandobrücke verlassen. Wie fühlt sich das an?
WOLFGANG BÄRNWICK: Erst mal möchte ich festhalten, dass das „Schiff Spielvereinigung Ingelheim“ auch nach meiner Zeit jetzt mit Wilfried Haas am Steuer einen guten und verlässlichen Kapitän an Bord hat. Insofern ist das ein schönes Gefühl: Meine Nachfolge ist bestens geregelt.

Als Sie 2008 die Verantwortung übernahmen, stand der Verein insbesondere finanziell wohl vor einer nicht gerade einfachen Situation.
WOLFGANG BÄRNWICK: Das war in der Tat keine einfache Situation. Die größten Probleme waren die hohen Schulden, fehlende Strukturen und Verantwortlichkeiten im Verein. Mit wenigen Gleichgesinnten haben wir uns kurzfristig zum Ziel gesetzt, wieder Ruhe in den Verein zu bringen, Vertrauen zurück zu gewinnen, hart zu arbeiten, Schulden rasch abzubauen, und positive Schlagzeilen zu produzieren. Bereits drei Monate nach Amtsübernahme konnten wir Erfolge erzielen und sehr positive Schlagzeilen melden.

Sportlich war es zunächst eher ruhig, bis 2015 eine turbulente Zeit einsetzte, die den Verein bis in die Bezirksliga abrutschen ließ, verbunden mit der Abmeldung der Zweiten Mannschaft.
WOLFGANG BÄRNWICK: Ja, das war sicher das sportlich schwärzeste Kapitel, was die aktiven Mannschaften anbetrifft. Über die Gründe möchte ich nicht mehr eingehen, sind sie doch intern ausreichend besprochen worden.

Aber das Engagement mit dem Trainerteam um Bert Balte scheint sich als Glücksgriff zu erweisen?
WOLFGANG BÄRNWICK: Mit Cheftrainer Bert Balte und seinem Co. Benno Graci hat der Verein nicht nur ausgesprochen gute Fußballexperten und tolle Persönlichkeiten engagiert, sondern darüber hinaus zwei stets sehr positiv denkende Menschen, die sich im Verein wirklich wohlfühlen. Und im sportlichen Bereich haben wir mit Michael Schuhmacher und Patte Rudolf die idealen Verstärkungen.

Vergessen wir nicht den Jugendbereich mit rund 300 Jugendlichen, was ja gut 50 Prozent der Mitglieder ausmacht, und die mindestens 14 Jugendmannschaften.
WOLFGANG BÄRNWICK: Die Jugend im Verein ist die sportliche Zukunft der Spvgg Ingelheim. Es wird immer entscheidender sein, gut ausgebildete Jugendtrainer zu bekommen. Und da ist Jugendleiter Olaf Allgeyer mit seinem Team auf einem sehr guten Weg. Es muss weiterhin das Ziel der Verantwortlichen sein, nicht nur in der Breite mit 14 oder 15 Jugendmannschaften gut aufgestellt zu sein, sondern auch eine entsprechende Qualität zu liefern. Deshalb sehe ich es als notwendig an, dass die A-, B-, C-Junioren möglichst dauerhaft in der Verbandsliga spielen.

In Ihrer Amtszeit wurde dem Verein 2013 ein Leitbild gegeben. Sehen Sie das schon umgesetzt?
WOLFGANG BÄRNWICK: Häufig ist es doch so, dass das Tagesgeschäft die Realität ist, und andere wichtige Dinge wie das Leitbild zeitweise in den Hintergrund treten. Aber wenn ich mir das Leitbild nochmals anschaue, und das habe ich eben getan, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Spvgg Ingelheim in all ihrem Tun und Handeln Leitbild-konform verhält.

Das Leitbild passt ja auch zum DFB-Motto „Fußball für alle „die gesellschaftliche Verantwortung bei Integration und Wertevermittlung“.
WOLFGANG BÄRNWICK: Absolut, und dem ist nichts hinzuzufügen.

Wenn wir nun Bilanz ziehen: Haben Sie die Übernahme der Verantwortung je bereut?
WOLFGANG BÄRNWICK: Ich hatte es bei der Mitgliederversammlung bereits gesagt: Es war mir fast immer eine große Freude, der Spvgg Ingelheim an der Spitze des Vereins helfen zu können. Stets hatte ich motivierte Kollegen, sprich Gleichgesinnte, um mich herum, die mir halfen, unsere gemeinsamen Ziele zum Wohle des Vereins zu erreichen. Und das ist uns in hohem Maß gelungen. Durch die erfolgreiche Organisation und Durchführung von drei offiziellen Jugendländerspielen im Blumengarten ist die Spvgg Ingelheim weit über die Grenzen Rheinhessens und Rheinland-Pfalz hinaus bekannt geworden. Natürlich gab es auch weniger schöne Momente im sportlichen Bereich wie den zweifachen Abstieg der Ersten Mannschaft, mehrere Trainerwechsel in kurzer Zeit, die Abmeldung der Zweiten Mannschaft. Aber das Positive in den zehn Jahren war und ist für mich so überwältigend, dass ich keine Minute bereue, die ich für meinen Verein gearbeitet habe Für mich war es eine gute und erfolgreiche Zeit.

Ein Blick in die Zukunft: Was würden Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?
WOLFGANG BÄRNWICK: Ich halte nichts von Ratschlägen, sind sie auch noch so gut gemeint. Das neue Präsidium mit Wilfried Haas an der Spitze wird seinen Weg gehen, und der wird für die Spvgg Ingelheim ein guter werden.

Herr Bärnwick, danke für das Gespräch und an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch für die Bronzene Ehrennadel des Südwestdeutschen Fußballverbandes, die Sie für Ihr Engagement bekommen haben.