Der Evangelische Bläserchor Gustavsburg feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Foto: Ralph Keim

GUSTAVSBURG – 1918 wurde innerhalb der damals Evangelischen Kirchengemeinde von Gustavsburg, die zwei Jahre zuvor die Weihe ihrer neuen Kirche gefeiert hatte, ein Bläserchor aus der Taufe gehoben. Der damalige Pfarrer Karl Knab wollte damit in einer Zeit, als mit dem Ersten Weltkrieg die bis dato schlimmste militärische Katastrophe der Neuzeit gerade zu Ende gegangen war, den Menschen von Gustavsburg ein Signal der Menschlichkeit und Hoffnung senden.

Fortan bereicherten die Bläser die festlichen Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde. In Ginsheim sollte es noch bis 1927 dauern, bis in der Evangelischen Gemeinde ein Posaunenchor gegründet wurde. Beide Bläserchöre teilten das Schicksal der Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Bereits 1946 gründete sich der Bläserchor in Gustavsburg neu, in Ginsheim erst 1957. In beiden Stadtteilen sind die beiden Gruppen längst auch bei zahlreichen weltlichen Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken.

Es ist Montagabend: Im Saal des Evangelischen Gemeindezentrums von Gustavsburg treffen nach und nach die Aktiven des Bläserchors ein, packen ihre Instrumente aus und bilden vor Chorleiterin Meike Rind sitzend einen Halbkreis. Die 31 Jahre alte Musikwissenschaftlerin leitet den Bläserchor seit September 2015 und spielt selbst Posaune und Trompete.
Kurz darauf trifft Herbert Jack ein. Der 79-Jährige, der eigentlich in der Region wegen seines Spiels auf der Drehorgel bekannt ist, spielt eine Zugposaune. „Ich war schon in den sechziger Jahren erstmals beim Bläserchor“, erzählt er. Seit zwei Jahren spielt er wieder regelmäßig mit. Der frühere SPD-Vorsitzende Thorsten Siehr gehört dem Bläserchor seit 2014 an. „Ich bin inzwischen vom Tenorhorn auf die Tuba umgestiegen“, erzählt er. Ist der Bläserchor komplett, kann Meike Rind auf 15 Musikerinnen und Musiker bauen.

Zu seinem 100-jährigen Bestehen wird der Bläserchor am 4. November einen festlichen Gottesdienst musikalisch umrahmen. Am 10. November ist ein großes Konzert vorgesehen. Wer sich für ein Mitwirken beim Evangelischen Bläserchor interessiert, kann bei der Probe montags ab 19.45 Uhr im Evangelischen Gemeindesaal vorbeischauen. Für Neueinsteiger stehen am Anfang Leihinstrumente zur Verfügung. Bereits um 18.30 Uhr beginnt die Jugendausbildung.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“