Start Editorial_Petermann Was soll der Ärger?

Was soll der Ärger?

Wenn ich mich so richtig über einen Menschen oder eine Sache ärgere, dann war lange mein erster Impuls, dem Verursacher meine Meinung ins Gesicht zu knallen oder mich wiederholt möglichst lauthals zu grämen. Das meinen wohl auch die Menschen, wenn sie dem „Ärger Luft machen“ wollen. Dann geht allerdings der Ärger meist erst so richtig los. Der Andere verteidigt sich oder steigert sich noch. Das bedingt, dass ich nachlege und schon dreht sich gewaltig eine heftige Spirale der Eskalation.

Heute gehe ich anders damit um. Klar gibt es immer noch Menschen, die mich absichtlich oder unwissentlich ärgern. Ich muss diese nicht mehr mit meinem Ärger in aussichtsloser Belehrungsabsicht konfrontieren. Ganz ruhig kann ich mich einer anderen Situation zuwenden und über den Stein des Anstoßes hinwegsehen. Das neutralisiert mich gewissermaßen und versetzt mich in die Lage, klarer zu beurteilen, ob es wichtig ist, das strittige Thema noch einmal anzusehen und gegebenenfalls anzusprechen. Oder ob ich einfach keine Lust habe und keinen Sinn darin sehe, mich mit dem Ärgernis wiederholt zu konfrontieren, weil es die Sache nicht wert ist, weil sie unabänderlich ist oder weil die Zeit dafür vielleicht noch nicht reif ist. Und nicht zu unterschätzen ist ebenso, wie vieles sich auch mit ein wenig Abstand relativiert. Meine Erfahrung zeigt auf jeden Fall, dass es sich so wesentlich friedlicher lebt.

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