Christian Klischat in „König der Himmel“ in der evangelischen Kirche in Nieder-Olm. Foto: Margit Dörr

Nieder-Olm – In einer außergewöhnlichen Art und Weise brachte der Darmstädter Schauspieler Christian Klischat die Leidens- , Lebens- und Heilsgeschichte Jesus in dem Solotheaterstück „König der Himmel“ – Buch und Regie Götz Brandt – den Besuchern der Vorführung nahe. Die evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Olm und die Fachstelle Bildung im Dekanat Ingelheim hatten zu dem Theaterabend in der evangelischen Kirche eingeladen.

Klischat verkörperte einen römischen Soldaten, der das Kreuz mit dem Hingerichteten bewachen sollte. Seine drastischen Beschreibungen der Grausamkeiten, die die Lust am Schmerz zufügen und Töten ausdrückten, standen im Gegensatz zu seinem Aussehen und Verhalten. Blutverschmiert, in abgerissener Kleidung, sich auf einem schwarzen Hocker hektisch windend und irre lachend blickte er zurück auf den Verrat, die Verurteilung, die Folter und schließlich die Kreuzigung.

Mit unglaublich ausdrucksstarker Mimik und Gestik stellte der Schauspieler die Zerrissenheit des Soldaten dar. Mit zwingenden Blicken in die Gesichter der Zuschauer schien er diese in seine Zweifel mithineinnehmen zu wollen. In fiktiven Gesprächen, die er mit Personen führte, die ebenfalls in die Geschichte involviert waren, näherte er sich der Person und der Lehre des Gekreuzigten und versuchte diese und den Menschen dahinter, zu verstehen.

Nie fiel ein Name, nur Funktionen wurden genannt. Der Soldat sprach vom Präfekten, der für die Verurteilung verantwortlich war, von einem „Vornehmen“, der ihm dem Soldaten von den Geschehnissen aus seiner Sicht berichtete oder von einem Klageweib, dem er am Grab begegnete. Auch der Name Jesu wurde nicht genannt.

Die meisten Zuschauer kannten gewiss die Passionsgeschichte und die Personen, die dabei eine Rolle spielen, aber auch durch dieses Stilmittel bekam die Geschichte eine Aktualität, die Betroffenheit auslöste. Klischat gelang es mit seinem intensiven Spiel, dass sich der Zuschauer in den Präfekten hineinversetzte fühlte, der sich demonstrativ die Hände wusch, um seine Unschuld am Tod des Verhafteten zu demonstrieren, oder auch in die Gestalt der traurigen Anhängerin, die sich an die eindrücklichen Erlebnisse mit dem Gekreuzigten erinnerte.
Besonders dicht wurde die Geschichte am Ende, als der Soldat von der Klagefrau ins Grab gerufen wurde und dieser mit aufgerissenen Augen dem Ruf folgte, aber mit der Frage, wohin er mit seinen weit aufgerissenen Augen dann lief, blieb für die Zuschauer im Ungewissen.

Teilen