So ist es richtig beim nächtlichen Hundetraining: Der Großpudel schaut, wie sein Frauchen auf den Skater reagiert. Bleibt sie gelassen, gibt es keinen Grund zu Aufregung. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Hechtsheim – Die Herausforderung wartete auf Frauchen, Herrchen und ihre Vierbeiner alle 100 Meter. Mal überquerte eine Person ungeahnt den Weg und schob eine Mülltonne vor sich her. Mal sauste ein Skater vorbei und dann wiederum ratterte der Motor des Traktor-Rasenmähers. Beim nächtlichen Training des Mainzer Hundevereins stellten sich etwa 30 Hund-Mensch-Paare den unerwarteten Herausforderungen.
Mehrere Teststationen rund um das Vereinsgelände im Hechtsheimer Gewerbegebiet und drei auf dem Vereinsareal galt es an dem Abend zu bewältigen. Die meisten Hunde blieben während der Übung bei minus drei Grad Celsius einfach nur cool. Die Aufregung, als stünde etwas Besonderes bevor, war ihnen aber vor dem Parcours irgendwie schon anzumerken.
„Das Training heute wird nicht mehr so gestaltet wie einstmals zum Beispiel der Wesenstest“, sagte Reiner Leussler vor dem Startschuss. Der Vereinsvorsitzende erinnerte mit einem Schmunzeln daran, wie früher durchaus Überfälle simuliert worden seien oder „mal geschossen wurde oder gar eine Puppe vom Baum gefallen“ sei, um die Hunde auf die Probe zu stellen.
„Heute wird mehr Wert auf das Verhalten in Alltagssituationen gelegt.“ So klangen die Tipps, die Leussler den Paaren auf den Weg gab trivial und durchaus lustig. Sie zeigten sich aber in ihrer Bedeutung wichtig. „Beobachten Sie die Reaktion ihres Hundes, nehmen Sie in kritischen Situationen die Rolle ein, die der Anführer einer Meute einnehmen würde.“ Dieser könnte die Situation ignorieren, die Flucht ergreifen, drohen oder zum Angriff übergehen, zählte Leussler die Optionen auf.
„Normalerweise wird der Hund, sofern er Vertrauen zu euch hat, als erstes stehen bleiben und zu euch aufblicken, um zu sehen, wie ihr euch verhaltet.“

Als hätten sie es gehört, reagierten die meisten Vierbeiner auf dem Weg genauso, wie Leussler es beschrieben hatte. Gleichwohl geschah dies mitunter im Bruchteil einer Sekunde. Den Blick wahrzunehmen und ihn als Interaktionsanfrage zu verstehen, forderten in dem Fall die Herrchen und Frauchen nicht minder. Nicht aufmerksam oder schnell genug, entging ihnen womöglich der fragende Blick des Partners. Wer das Verhalten hingegen beobachtete, hatte den Stoff, um im Nachhinein mit den Hundetrainern die Übung zu besprechen.
Eine Möglichkeit, die der Mainzer Hundeverein regelmäßig anbietet. Die nächtliche Übung ließ sich jedenfalls erneut als ein gutes Beispiel für die Vereinsphilosophie im Mainzer Hundeverein auslegen. Mensch und Hund agieren am besten, wenn sie als Partner vorgehen. Bei nächtlichen Spaziergängen zum Beispiel. Zumal nur „wenigen Hunden die absolute Gelassenheit in die Wiege gelegt“ worden sei, wie es Leussler formulierte. Zum Glück lässt sich die gegenseitige Aufmerksamkeit beim Mainzer Hundeverein hervorragend trainieren. Info: www.mainzer-hundeverein.de.

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