Von der Übung bekamen die Bürger in diesem Fall so gut wie nichts mit. Foto: Kreisverwaltung.

INGELHEIM – Das Szenario verhieß nichts Gutes: Mitten in Ingelheim verunglückt ein Güterzug mit 30 Kesselwagen. Fünf Wagen entgleisen, drei geraten in Brand. Das Problem: In den Waggons sind gefährliche Stoffe untergebracht, zum Beispiel Methanol und Vynilchlorid. Vor allem zwei der verunglückten Waggons bereitet den Katastrophenschützern dabei große Sorge: Gefüllt mit Schwefelkohlenstoff und Schwefelsäure stehen diese zwar nicht in Flammen, drohen aber jederzeit zu explodieren.
„Wenn sie explodiert wären, wäre es zu großen Schäden in der Stadt gekommen“, sagt Einsatzleiter und Kreisfeuerwehrinspektor Rainer Jacobus. Menschenleben sind gefährdet. 20000 Ingelheimer müssen evakuiert, Schulen, Kitas und sonstige öffentlichen Orte geräumt werden.

Soweit die Annahme – glücklicherweise nur zur Übung. Das imaginäre Unglück wurde dabei nur virtuell abgebildet. In der Öffentlichkeit war davon nichts zu sehen. Mit „Albert 2018“, organisiert unter Federführung der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz, sollte die Zusammenarbeit der Führungsstrukturen des Landkreises, der Stadt Ingelheim sowie des Unternehmens Boehringer Ingelheim gemeinsam mit Polizei, Feuerwehren und Rettungskräften getestet werden.
„Wir sind froh, dass wir bereits jetzt das Rüstzeug haben, um mit einer solchen Katastrophe umzugehen. Aufgrund der Übung können wir jetzt unsere Strukturen für den Ernstfall noch weiter optimieren“, sagte der Leitende staatliche Beamte Dr. Stefan Cludius, zu dessen Geschäftsbereich der Katastrophenschutz gehört. „Das war für uns die erste Übung dieser Art überhaupt.“ Der Mainz-Binger Krisenstab steht immer dann in der Verantwortung, wenn ein Unglück zur Katastrophe wird – im Fachjargon: wenn Alarmstufe 5 erreicht wird.
Insgesamt waren mehr als 140 Personen in das Geschehen involviert. Nach vier Stunden war das Feuer gelöscht, der erhitzte Waggon gekühlt, die Übung beendet. „In Krisensituationen kommt es entscheidend darauf an, dass alle Beteiligten wissen, was sie an welcher Stelle zu tun haben. Das muss natürlich geübt werden“, so Landrätin Dorothea Schäfer: „Insgesamt war die Übung gelungen. Mein Dank gilt allen Mitwirkenden, die mit hoher Einsatzbereitschaft und Ernsthaftigkeit, aber auch mit viel Freude am Werk waren.“

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