Akteure „Kommune Inklusiv: Projektleiterin Gracia Schade, VG-Bürgermeister Ralph Spiegler, Stefan Sandner von Aktion Mensch Foto: VG Nieder-Olm

NIEDER-OLM – „Es ist ein dickes Brett, das beim Thema Inklusion gebohrt werden muss“, sagte Stefan Sandner von der Stiftung „Aktion Mensch“ beim Pressegespräch anlässlich des Starts des Modellprojekts „Kommune Inklusiv“ in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm.
Über fünf Jahre soll der Sozialraum der Verbandsgemeinde – die Stadt und die Ortsgemeinden – immer mehr inklusiv ausgerichtet werden. „Oft wird Inklusion verkürzt auf Menschen mit Behinderung verstanden. Wir verstehen sie aber als Teilhabe jedes Einzelnen am gesellschaftlichen Leben“, konstatierte VG-Bürgermeister Ralph Spiegler.

Projektträger ist das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e. V. (ZsL) mit der Koordinatorin Gracia Schade. Eingebunden sind weitere Projektpartner, die sich für den Aufbau eines lokalen Inklusions-Netzwerks einsetzen.
In den Arbeitsfeldern Bildung, Arbeit, Gesundheit und Freizeit wolle man aktiv werden, berichtete Gracia Schade. In Nieder-Olm wird in der Kreuzstraße, wo auch ein Büro für dieses Projekt eingerichtet wird, ein Bildungstreff zunächst für kognitiv eingeschränkte Menschen, später auch für Senioren und geflüchtete Menschen eingerichtet. Hier wird Lesen, Schreiben und Rechnen geübt. Aber auch schwer verständliche Beipackzettel von Medikamenten sollen – unterstützt von Apothekern – erläutert werden.

Schriftliche Informationsmaterialien zu präventiven Gesundheitsangeboten, wie zum Beispiel Impfungen werden in einfache Sprache übersetzt. Ärzte sollen Schulungen zu dieser Problematik erhalten.
Der Zugang zu sportlichen Angeboten soll für Menschen mit geistiger Behinderung erleichtert werden, zum Beispiel mit Hilfe von Assistenten.
Um diese Unterstützungen anbieten zu können, hoffen die Akteure auf ehrenamtliche Mitarbeiter
Die Verantwortlichen sind sich sicher, dass weitere Ideen folgen werden. Allerdings sei ein wichtiges Kriterium für das Gelingen des Projektes, dass man sich nicht in zu vielen Bereichen verzettele.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Frankfurt. Die Wirkung wird bei den Zielgruppen, bei der Bevölkerung und bei den verantwortlichen Akteuren abgefragt.
Knapp 130 Kommunen hatten sich bei „Aktion Mensch“, die dieses Modellprojekt initiiert hat, um eine Teilnahme beworben. Fünf wurden ausgewählt, darunter Nieder-Olm.
Die Kosten sind mit 440 000 Euro angesetzt, 375 000 Euro übernimmt Aktion Mensch, die VG und Landesantidiskriminierungsstelle jeweils 25 000 Euro.
Am 21. Februar um 16 Uhr findet die Auftaktveranstaltung im Ratssaal in der Verbandsgemeindeverwaltung statt.
Anmeldung zur Auftaktveranstaltung per Email: g.schade@zsl-mainz.de
Weitere Infos unter www.vg-kino.de

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