Paradiesvögel aus Weisenau: das CCW-Nachwuchsballett „Die Burg11en“. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Weisenau – Der Narr feiert gern. So sehr, dass er ein Jubeljahr als solches anerkennt, das nicht durch närrische Zahlenspiele zustande kommt. In der Manier lässt der Carneval Club Weisenau (CCW) 2018 sein 70. Gründungsjahr hochleben. Das Feuerwerk zum runden Geburtstag hat der CCW bei der 1. Fremdensitzung im restlos ausverkauften Kulturheim in Weisenau gezündet.

Die Nostalgie spielt im Eröffnungsspiel (Tanja Beuth, Maike Geissel, Marion Hahn, Roman Hubertus und Michael Hahn) insofern eine Rolle, als die folgenden Stunden umso klarer den ausgezeichneten Allgemeinzustand des CCW anzeigen. „Es grüßt der Till im Jubeljahr den CCW samt Narrenschar“, ruft der bestens gelaunte Sitzungspräsident, Steffen Feldmann, den Narren im Saal zu. Dem CCW geht es allem Anschein im 70. Jahr prächtig. Die närrische Show kommt gut an. Der Protokoller, Markus Mehlinger, nimmt unzählige Themen scharf aus Korn: Das Diesel-Desaster genauso wie die ewig lange Regierungsbildung, aber auch die Vorfreude auf den lange und sehnsüchtig erwarteten Umbau des Kulturhauses in Weisenau kommen vor.

Witzig wird es beim Besuch von Schneewittchen (Anne Sartoris) und Rotkäppchen (Katrin Schroth) im Haus. Die Märchen sind auch nicht das, wie sie mal waren. Der Froschkönig macht in Mombach am Kreisel Werbung für Erdal, das „Tischlein deck Dich“ ist wegen Thermomix gänzlich abgeschafft und die Oma bekommt vom Rotkäppchen einen „Hugo“ statt Wein mitgebracht. Der Red Acteur alias Rüdiger Schlesinger begeistert eloquent wie immer und erntet riesigen Applaus beim Anti-Trump-Roboter-Song zur Melodie von „Kraftwerk“. Für den Meister erhob sich das Publikum in echter Verehrung. Herrlich der „Hobbes“ (Hansi Greb) beim Bericht über die Reise nach Rom. Genial auch Gunther Raupach, der eine Tasche zeigt und sagt: „Ich bringe euch etwas, was den Frauen Freudentränen und den Männern Schweißperlen auf die Stirn treibt“. Das Publikum erkennt die Ikea-Tasche, ahnt, was da kommt und ist begeistert. Der Ausflug zum schwedischen Möbelhaus wird zum Charakterstudium und Spiegelbild männlicher und weiblichen Eigenschaften. Das Geburtstagskind bekommt plötzlich den Besuch vom Gott Jocus (Helmut Schlösser) persönlich. „Ist jemand nicht verheiratet? Dann jetzt aber schnell, jetzt heißt es, Ehe für alle.“ Der große Star des Abends wird Woody Feldmann. Irgendwie herrscht eine besondere Bindung zwischen der Entertainerin und dem CCW. „Ich habe Euch vermisst“, sagt Feldmann und unterhält die Zuschauer prächtig unter anderem mit dem mit dem Hit „Dubberschisselsche’“.

Das Trio „Die Talentfreien“ rockte den Saal.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Die tänzerischen Akzente setzen am Abend die „Burg11en“, das Nachwuchsballett des CCW, als die Weisenauer Paradiesvögel (Leitung: Connie Brinkmann), das CCW-Gardeballett in neuen Kostümen (Leitung: Stephanie Selenka) und die „Rumpelfüßler“ in brombeerfarbenen Hosen. Die Leiterin jenes Männerballetts, Elina Schroth, wird vom Sitzungspräsident gelobt: sie habe „aus trockener Brezel Gummimänner gemacht“. Der Chef des Elferrats erscheint später selbst in der Bütt gemeinsam mit Dr. Mick Reith, Volker Eggerling. Der Name des Trios klingt bescheiden. Gänzlich „Die Talentfreien“ sind sie nicht. Mit einer Western-Gitarre, ihren Stimmen und einer Dreitaktmelodie rocken sie den Saal. Der Song wird zum Selbstläufer. Die „Meenzer Meedcher“ treiben die tolle Stimmung in der Kulturheim-Narrhalla noch höher. Alle schunkeln und tanzten mit: bei „Humba“, bei „Rucki Zucki“ und natürlich bei der inoffiziellen Hymne aller, die im Schatten des Doms leben. Einen Hochgenuss bescheren die „Mainzer Hofsänger“ die von Jahr zu Jahr nur besser zu werden scheinen. Und das Finale? Das gehört ganz der Brass-Formation und dem Aushängeschild des CCW: „Sound of Weisenau“.

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