Zwischen den Liedern erläuterte Schmitto Kling den rund 150 Fans beim Verein ZMO seine Musikauswahl. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Der belgische Gitarrist Django Reinhardt (1910-1953) gilt als Mitbegründer und Vorreiter des europäischen Jazz. Auch sein in Weinsheim bei Bad Kreuznach geborener Vetter, der Geiger Franz „Schnuckenack“ Reinhardt (1921-2006), hielt die Tradition des Gypsy-Jazz oder „Zigeunerjazz“ aufrecht. Wie beliebt diese Musik der Sinti auch heute noch ist, machte jetzt das Konzert von Schmitto Kling und seiner Band vor rund 150 Zuhörern beim Verein „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) im Einkaufszentrum Hans-Boeckler-Straße deutlich. Siegfried „Schmitto“ Kling ist Geigenbauer, Jazzviolonist, Komponist und Interpret, auch er stammt als Sinto aus der europaweit bekannten Künstlerfamilie Reinhardt. Sein Ensemble gilt als eine der dienstältesten Formationen des Zigeunerjazz in Deutschland. Dass diese Musik ein breites Publikum zieht, machte der Andrang deutlich. Während sich zu den vergangenen beiden Lesungen jeweils nur knapp 20 Interessierte im Saal verloren, platzte der kleine Raum von ZMO diesmal förmlich aus allen Nähten.
Mir rhythmischem Klatschen signalisierten die Zuhörer ihre Ungeduld, bis es schließlich losging und ZMO-Vorsitzende Jutta Hager die Gäste begrüßte und den Abend eröffnete. Schmitto Kling stellte zunächst seine Musiker vor: Mirano Kling und Forello Reinhardt an den Gitarren, Helmut Weiss am Piano und Jani Lehmann am Kontrabass. „Es ist gut, wenn man eine große Verwandtschaft hat“, bekannte Kling. „Kling und Reinhardt sind beides meine Familien.“

Dann startete der Abend mit einer jazzigen Version von Johannes Brahms‘ „Ungarischem Tanz“. Die gut aufeinander abgestimmten Musiker zeigten viel Spielfreude. Sie präsentierten ihre Lieder mit einer Leichtigkeit und zahlreichen Tempowechseln. Für die Soli gab es spontanen Beifall und Bravo-Rufe der Zuhörer. Zwischendurch lud Schmitto Kling zum Mittanzen ein. Aber die Band beherrscht auch die getragenen, melancholischen Weisen, wie Violinist Kling und Pianist Weiss mit einem Duett deutlich machten.

Auch die ZMO-Vorsitzende Jutta Hager zeigte sich vom rund eineinhalbstündigen Auftritt des Jazzquintetts begeistert. „Besser kann man die Adventszeit nicht einleiten“, meinte sie. Sie will Schmitto Kling und sein Ensemble, das zum zweiten Mal in Bretzenheim zu Gast war, auch für das nächstjährige ZMO-Programm verpflichten.

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.