Solche Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Selbst wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, übersieht sie leicht. Denn man muss auf den Boden schauen, um sie zu entdecken. Die Rede ist von den sogenannten Stolpersteinen. Die kleinen und quadratischen Einlassungen im Bürgersteig erinnern in zahlreichen Kommunen in ganz Europa an den jeweiligen Häusern und Gebäuden, dass hier einmal Menschen lebten, die von den Machthabern des Nationalsozialismus zumindest verfolgt, wenn nicht gar ermordet wurden. Auch in Mainz finden sich an zahlreichen Stellen diese Stolpersteine.

Erfunden hat sie der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits vor 25 Jahren. In dieser Zeit gab es bundesweit tausende Aktionen, bei denen die kleinen Kuben in den Boden eingelassen worden. Jetzt kam der inzwischen 70 Jahre alte Demnig auf Einladung des Vereins für Sozialgeschichte Mainz wieder einmal nach Mainz, um an mehreren Stellen, darunter in der Leibnizstraße und in der Kaiserstraße, weitere Stolpersteine zu verlegen. Sie erinnern an sieben Stellen im Stadtgebiet an insgesamt 15 Männer und Frauen jüdischen Glaubens, die Opfer der Nationalsozialisten wurden.

Auf Höhe der Leibnizstraße 24 sind jetzt vier Stolpersteine im Bürgersteig eingelassen. Sie gedenken der Familie Weiss: Max, Recha und Ilse Weiss wurden 1942 deportiert. Sie kamen in Polen ums Leben. Lotte Weiss wurde 1943 als 19-Jährige deportiert und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Trotz unangenehmen Wetters verfolgten zum Teil zahlreiche Bürger und Schüler Mainzer Gymnasien die Verlegung. Auch Kulturdezernentin Marianne Grosse kam an einer Station vorbei. Zufällig vorbeikommende Passanten blieben zumindest kurz stehen. Als die Kuben im Boden eingelassen und gereinigt waren, wurden rote Rosen niedergelegt. In der Erthalstraße erinnerte Horst Seitz, Präsident des Mainzer Carneval-Clubs, an den MCC-Aktiven Theodor Fridberg, der zusammen mit seiner Frau Johanna deportiert und in Polen ermordet wurde.

Die zum Teil ergreifenden Berichte und Erzählungen während der Verlegung dokumentierten eindringlich, wie brutal und menschenverachtend vor mehr als sieben Jahrzehnten Mainzer Bürger von Mainzer Nationalsozialisten entrechtet und deportiert wurden.

Die neuen Stolpersteine wurden an folgenden Stellen verlegt: Leibnizstraße 24 in Erinnerung an, Max Weiss, Recha Weiss, geb. Grünebaum, Ilse Weiss und Lotte Weiss; Kaiserstraße 11 in Erinnerung an Dr. Karl Moritz Ladenburg und Siegfried Ladenburg; Erthalstraße 10 in Erinnerung an Theodor Alfred Fridberg und Johanna Fridberg, geb. Kahn; Bahnhofstraße 5 in Erinnerung an Eduard Epstein, Emma Epstein, geb. Hirsch, und Kurt Paul Epstein, Große Bleiche 12 in Erinnerung an Dr. Berta Erlanger; Uferstraße 57 in Erinnerung an Dr. Siegmund Levi; Am Stiftswingert 19 in Erinnerung an Adolf Otto Herz und Johanna Herz, geb. Mandelbaum

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“