Im Landkreis gibt es einigen Jahren eine Messe speziell von und für Unternehmerinnen. Foto: Ralph Keim

INGELHEIM – Auch in diesem Jahr gab es in Ingelheim – erstmals in der neuen Veranstaltungshalle kING – die Unternehmerinnenmesse Mainz-Bingen. Wir sprachen mit Günter Jertz, Hauptgeschäftsführer der IHK für Rheinhessen, über Sinn und Notwendigkeit, eine Messe speziell für Unternehmerinnen zu organisieren.

Warum ist es im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch immer notwendig zu betonen, dass eine Frau ein Unternehmen führt bzw. gegründet hat?

GÜNTER JERTZ: Aus Sicht der Wirtschaft sollte das nicht zu betonen sein. Ausschlaggebend ist der Erfolg des Unternehmens.

Haben Frauen eine andere Gründermentalität als Männer?

GÜNTER JERTZ: Die Erfahrungen aus den Gesprächen der IHK-Gründungsberater zeigen: Viele Frauen sind gründungsinteressiert, aber nicht alle wagen letztendlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie bereiten sich in der Regel sehr gut und umfassend vor, sind dabei aber vorsichtiger als männliche Gründer. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Karriere und Familienleben ist ihnen sehr wichtig. Das zeigt sich auch darin, dass rund 40 Prozent der Gründerinnen im Nebenerwerb starten. Sie wollen zeitlich flexibler bleiben.

Werden Frauen anders behandelt als Männer, wenn sie wegen einer geplanten Unternehmensgründung bei der Bank vorstellig werden?

GÜNTER JERTZ: Die Banken haben ihre Richtlinien und Kriterien, die sicherlich nicht am Geschlecht ausgerichtet sind. Gegenüber den IHK-Beratern berichten aber deutlich mehr Frauen als Männer, dass sie nicht die Möglichkeit hatten, Gründungskapital für den Start anzusparen oder berufliche Netzwerke zu knüpfen, die beim Start in die Selbstständigkeit helfen. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde mehr Mütter sowie auch Väter an dieser Stelle unterstützen und zudem häufiger eine Vollzeit-Selbstständigkeit ermöglichen.

Gibt es Erfahrungswerte, ob Frauen mit ihrem Unternehmen eher oder weniger schnell pleite gehen?

GÜNTER JERTZ: Konkrete Zahlen liegen uns nicht vor. Fakt ist aber, dass Frauen ihre Unternehmen gut vorbereitet gründen und auch bestimmte Branchen bevorzugen. Top 3 sind die Bereiche Gesundheits- und Sozialwesen, Dienstleistungen wie Friseur, Kosmetik oder Wäscherei, sowie Erziehungswesen und Unterricht. Unterdurchschnittlich viele Gründungen von Frauen gibt es etwa im Baugewerbe oder in der Informations- und Kommunikationsbranche.

GÜNTER JERTZ: Was bietet die IHK Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen?

GÜNTER JERTZ: Wir bieten grundsätzlich das gleiche Angebot für Frauen wie für Männer auch: Die Starterzentren der Kammern an 31 Standorten in Rheinland-Pfalz sind regionale Anlaufstellen für Gründerinnen und Gründer. Aus einer Hand erhalten sie hier alle wichtigen Leistungen der Gründungsberatung, von der Erstinformation über die individuelle Beratung bis zur Gewerbeanmeldung. Die Starterzentren begleiten durch alle Phasen der Unternehmensgründung. Zusätzlich beteiligt sich die IHK an frauenspezifischen Formaten wie der Unternehmerinnenmesse, dem Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“ sowie an Netzwerken, die Frauen speziell in der Gründung fördern wie E.U.L.E. e.V., Business Moms und andere mehr.

Das Interview führte Ralph Keim.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“