Auch in Bechtolsheim hat die Lese in diesem Jahr extrem früh begonnen. Foto: Robin Haas

REGION – Die Folgen des Klimawandels sind auch im 1800 Einwohner zählenden Bechtolsheim zu spüren. Winzer Dieter Mann lernte 1982 den Beruf. „In den Anfangsjahren startete die Lese im November, dieses Jahr jetzt schon Mitte September, was eine Ausnahmesituation darstellt“, erklärt Mann.

Durch den vielen Regen füllen sich die Trauben schneller und drücken sich gegenseitig ab. Dann platzen sie auf, und das erzeugt Fäulnis. Wenig Fäulnis bedeutet gesunde Trauben, somit bestimmt die Fäulnis den Lesezeitpunkt. Deshalb musste mit der Lese der früheren Rebsorten schon Mitte August gestartet werden, so früh wie noch nie, um am Ende einen hochqualitativen Wein zu erhalten.

Als Dieter Mann in den Beruf einstieg, lag der Fokus in Rheinhessen noch auf süßeren Weinen, es gab also eine vollkommen andere Rebsortenstruktur. Durch die Umstellung wurde Rheinhessens Wahrnehmung als Weinhochburg vorangetrieben und ist heutzutage nicht ohne Grund mit rund 26500 Hektar Rebfläche das größte Weinbaugebiet Deutschlands.

Mitte der 80er Jahre wurde noch fast komplett von Hand geerntet. Heute ist es fast unvorstellbar, ohne einen Traubenvollleser zu arbeiten. Die große Anzahl an Reben, die abgeerntet werden müssen, würde ohne maschinelle Hilfe zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Im Weingut Mann wird der Mondzauber als einziger Wein des Winzers noch per Hand geerntet. Die Rebsorte St. Laurent wird in den Vollmond hinein, bei zunehmender Mondenergie geerntet und sofort weiterverarbeitet.

Nachdem er seine Ausbildung zum Winzer abgeschlossen hatte, spezialisierte sich Dieter Mann auf den Weinbau. Zuvor wurde dieser in einem Gemischtbetrieb zusammen mit Ackerbau und Viehhaltung nur halbherzig ausgeübt. Aufgrund seiner Passion und dem Spaß für das Kreieren neuer Weine widmete er sich voll und ganz dem Flaschenwein.

Das Weingut Mann bewirtschaftet zwölf Hektar Weinberge, 2,5 Hektar davon sind Rotweine. Das Jahr 2017 war für die Bechtolsheimer Winzer ein schweres Jahr. Dieter Mann erzählte, wie durch den Frost im April die Rebsorten mit frühem Austrieb erfroren sind. Aufgrund dessen und wegen des nassen Sommers erwarten die Winzer eine Ertragsminderung von über 50 Prozent, was der Qualität aber keinen Abbruch tut.

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