Theologin mit Farben und Pinsel: Birgit Feldmann. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Bretzenheim – Das Mainzer Gutenberg-Denkmal erhellen auf dem Bild Lichter, als würde die Abendsonne darauf scheinen und das grüne Massiv in gelb und orange tauchen. Im Hintergrund erhebt sich der Turm der Mainzer Kathedrale. Das Gemälde von Birgit Feldmann dominiert die Exposition im Bretzenheimer Rathaus. Die gerade eröffnete Schau der Werke der Künstlerin, die den Titel „Anblicke und Einblicke“ trägt, ist im Rahmen der Reihe „Kultur im Rathaus“ noch bis 17. Oktober zu sehen.

„Kunst soll guttun“, gab Christoph Selenka, der im Auftrag des Ortsbeirates die Ausstellung organisierte, den Gedanken der in Lippstadt geborenen Künstlerin wieder. In der Vita von Feldmann erblühte das künstlerische Schaffen erst vor vier Jahren. „Beide Eltern waren Lehrer, was lag also näher, als dass ihre Tochter in deren Fußstapfen tritt.“ Gleichzeitig schlummerte die Begabung. Umso mehr spiegelt sich in der einstigen Wahl der Fächer – Theologie und Kunst – ohne Zweifel die jetzige Grundausrichtung. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, das Zitat von Pablo Picasso, das auch die Homepage der Künstlerin ziert, sei ein bedeutsames Motto ihres Schaffens, referierte Selenka. „Kunst als Läuterung, Reinigung, Überhöhung, Direktive und Befreiung.“ Kunst soll dem, der malt, aber auch dem, der sie betrachtet, gut tun, sei ihre Ansicht. So wirken die Werke wie „Abendstimmung in Tel Aviv“, oder „Atempause in Lissabon“, schließlich „Auf dem Segler“ kaum kontrovers, vielmehr wie Balsam.

Die Periode, in der die Familie und der Beruf in den Vordergrund traten, erachtet Feldmann heute als eine Zeit des schöpferischen Innehaltens. 1986 heiratete sie und wurde Mutter von drei Töchtern. 1993 zog die Familie nach Bretzenheim. Gleichzeitig seien unterschiedliche Kurse, die sie in jener Zeit absolviert habe, beschrieb Selenka, zu „Momenten“ geworden, in denen sie „sich intensiv mit der Kunst beschäftigte. Bis der Funke das lodernde Feuer abermals entfachte“. Die aufmerksame Hinwendung zum Individuum illustrieren Feldmanns Porträts: Bruno Gans, Loriot, Maggy Smith, Astrid Lindgren oder das – unverkäufliche – Bildnis der eigenen Tochter. Die Theologin mit dem Malpinsel und den Farben bleibt ihren Wurzeln treu: Bei der Kunst geht es immer auf die eine oder andere Weise um den Menschen.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung im Rathaus in Bretzenheim (An der Wied) sind: Montag bis Donnerstag, 8 bis 12 Uhr und Mittwoch 14 bis 18 Uhr.

Teilen
Vorheriger ArtikelChor „Mystic” feiert sein erstes Vierteljahrhundert
Nächster ArtikelZiegelei-Vereine stellten sich vor
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.