Wer bietet mehr? Lerchenberger in ihrem Bürgerhaus beim Feilschen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Lerchenberg – Es ist außerordentlich, was ein Bürgerhaus alles und in welchen Mengen beherbergt. Beschallungsanlagen, CD-Player, Kilometer von Kabeln, Bücher, Geschirr. Mikrofone, Rednerpulte, Bilder, Bürostühle und Kaffeemaschinen. Bei der Versteigerung des Inventars des Bürgerhauses in Lerchenberg kam sogar ein total verstimmtes Klavier unter den Hammer. Das Musikinstrument wollte letztendlich keiner haben. Aber das alte PC-Zubehör, jede Menge Teller und Tassen, sowie Glühbirnen und andere Gegenstände, deren Besitz man in einem Bürgerhaus erst einmal nicht vermuten würde, gingen weg wie warme Semmeln.

Die Interessenten stürmten wahrhaft nach der Öffnung der Türen das Bürgerhaus in der Hebbelstraße. Diesem steht ein kompletter Um-, Rück- und Neubau bevor. Das neue Ambiente soll 2019 eröffnen.

Bevor der Mainzer Finanzdezernent, Günter Beck, den Auktionator mimte und nach und nach die wertvollen Gegenstände an den Mann brachte, feilschten die Besucher an den Tischen um die Wette. Eines der besten Geschäfte machte unbestreitbar der Verein „Zweitakt-Freunde Mainz“. Die beiden massigen Lautsprecher, dazugehörige Kabel, das Geschirr und das Mischpult ergatterten sie zu einem famosen Preis. Der Verein mit dem Durchschnittsalter der Mitglieder von 25 Jahren widmet sich der Förderung und Erhaltung der Zweitaktkultur, womit Zweitaktmotoren gemeint sind.

Ein exorbitanter Bühnenlichtstrahler von musealem Wert wird in absehbarer Zeit ein privates Handwerksmuseum schmücken. „Mit dem kannst du den Raum auch beheizen“, rief jemand aus dem Saal während der Auktion aus.

„Bitte seien Sie großzügig und schauen Sie nicht danach, ob sie heute einen Euro mehr ausgeben“, appellierte die Ortsvorsteherin von Lerchenberg, Sissi Westrich, an die Käufer. Der Erlös komme den Vereinen zugute. Daran hielten sich wohl die wenigsten. Es wurde gefeilscht um die Wette. Die Versteigerung, die die Mainzer Bürgerhäuser GmbH & Co. KG auch in den Stadtvierteln Finthen und Hechtsheim organisierte, erfüllte in Lerchenberg die Erwartungen. Weit mehr als das in den anderen Stadtteilen der Fall war, stellte Beck fest.

Nach der Auktion, als der Hunger der Käufer gestillt war, schauten nicht wenige die Pläne für das neue Bürgerhaus an wahlweise die fotografischen Impressionen, die die Kunststudentin Olivia Kalinowski im Raum präsentierte. Und wer noch nicht genug vom Schnäppchen hatte, konnte das ein oder andere Mitbringsel am privaten Flohmarkt ergattern, das vor dem Gebäude und in den Fluren lockte.

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