Das „Nostalgiestückchen“ brachten Günter Beck und Herbert Schäfer als erstes an den Mann. Foto: Helene Braun

Finthen – Etwas Showtalent war schon gefragt, als Finanzdezernent Günter Beck und Ortsvorsteher Herbert Schäfer den Hammer schwangen im alten Bürgerhaus am Rodeneckplatz. Beide machten abwechselnd den Auktionator bei der Versteigerung der verbliebenen Einrichtungsgegenstände, die teils noch aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Haus sollte frei werden, bevor die Bagger kommen und der Erlös geht an die Vereine zur Unterstützung bei den künftigen Mieten. Um das verbleibende Inventar der alten Bürgerhäuser sinnvoll zu nutzen, organisierte die Mainzer Bürgerhäuser GmbH & Co.KG um Geschäftsführer Günter Beck einen Flohmarkt sowie eine Auktion.

Felix Wälder, Prokurist der Zentralen Beteiligungsgesellschaft, reichte Blumenkübel, Teller und Tassen über den Tisch. Foto: Helene Braun

„Fangen wir mit einem an“, rief Beck in die Runde, nachdem sich etliche schon bei den zum Flohmarkt aufgereihten kleineren Teilen bedient hatten. Beck hielt das Schild „Finther Stübchen“ hoch. Mit fünf Euro ging´s los. „20 sind geboten, wer bietet mehr? 20 Euro zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.“ Beck ließe den Hammer niedersausen. Das Erinnerungsstück hatte einen Käufer gefunden.

Das tausendfach vorhandene Schönewald-Geschirr erinnerte an so manche Feierstunden in den Bürgerhäusern. Zahlreiche Gegenstände wie Gläser, Teller, Töpfe, Rednerpulte, Schränke, Regale, diverse technische Geräte sowie Feuerlöscher konnten so an den Mann oder die Frau gebracht werden. Beck und Schäfer sahen sich an: „Wollen wir jetzt schon das Schnäppchen raushauen?“ Den Friseurstuhl aus den 70ern des vergangenen Jahrhunderts wollte allerdings keiner haben, wenn auch er mit tausenden von Erinnerungen verknüpft sein sollte. Denn er versah insbesondere vor den Fastnachtssitzungen und anderen Großveranstaltungen seinen Dienst in der Künstlergarderobe. „Mensch, wir hatten doch allein 20 Anrufe für den Stuhl“, wurde Beck erfinderisch. Doch vergebens, vielleicht war der Stuhl einfach zu hässlich.

„Zehn Euro für einen Super-Spind“, warb Schäfer, „das ist Nostalgie pur, da hatten schon berühmte Künstler ihre Jacke drin hängen.“ Beck übertraf sich selbst und machte Reklame, wie man es aus den Dauerwerbesendungen im Fernsehen kennt, und erklärte die Funktionen eines Konferenztisches. „Man kann ihn hoch und runter fahren.“ Zwei Klaviere standen ebenfalls zum Ersteigern zur Verfügung, ein Weizenbierstiefel, in dem AGV eingraviert ist, eine alte Deutschlandkarte. Lustig gestimmt, beteiligten sich auch die Käufer an den Scherzen. Bei einer alten Deutschlandkarte rief einer: „Was sind denn da eigentlich noch für Grenzen drauf?“ Dachdecker Steven Wiegel erstand eine ausziehbare Leiter für 30 Euro, ein wirkliches Schnäppchen.

Munter ging´s auch beim Flohmarkt zuvor und während der Auktion zu. Felix Wälder, Prokurist der Zentralen Beteiligungsgesellschaft, reichte Blumenkübel, Teller und Tassen über den Tisch. Was kostet das Nudelholz“, fragte einer. Nach kurzer Überlegung ging es für 5 Euro mit. Vieles ging weg, vieles blieb und wird am 1. und 2. September vielleicht seine Liebhaber in Hechtsheim oder auf dem Lerchenberg finden.

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