Ein Elektromotor ist kein Hexenwerk sondern Physik. Karl Becker (Mitte) erklärt ihn Dominik (li.) und Elias. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Nackenheim – Wird er sich drehen oder nicht? Spannung malt sich auf den Gesichtern der Jungen am Netzteil. Ein Elektromotor kommt auf den Prüfstand. Die Nervosität steigt. Die Stromversorgungseinheit – auf vier Volt gedreht – bringt die angeschubsten Ankerwellen zum Laufen. Der Elektroantrieb funktioniert.

Im zweiten Jahr in Folge hat das Repair Café aus Nackenheim die Pforten für das Ferienprogramm geöffnet. Für vier fesselnde Stunden. „Es sind alles helle Bürschchen“, lobt Volker Hobohm zuallererst die zehn Teilnehmer aus der Verbandsgemeinde (VG) Bodenheim. An drei Tagen haben er und seine Kollegen den Ferienspaß vorbereitet. Holzleisten gesägt, Statorbleche und Lagerböcke präpariert, Kollektorbürsten und andere Utensilien zu je einem Set zusammengestellt. Damit jedes Kind einen Elektromotor bauen kann. Wer dies irgendeinmal bewältigt habe, „hat nicht nur das handwerkliche Geschick geübt“, meint Hobohm. Vielmehr ein physikalisches Prinzip begriffen. „Wie viele Elektromotoren hat jeder zu Hause?“, fragt der gelernte Mechatroniker und zählt auf: „Der motorische Verschluss der Türen und des Tankdeckels, der Anlasser, der Mixer in der Küche, der Rasierapparat im Bad oder der Lüfter im PC.“ Überall herrsche dasselbe funktionale Grundgesetz, „das wir mit den Kindern nun nachbauen“.

Ein Film hat ihnen die Funktion des Elektromotors begreiflich gemacht. Mit der Sachkenntnis über den Wechselmagnetismus, den permanenten Magnetismus und einem Bauplan sind sie ans Werk gegangen. „Klar“, habe er den Film verstanden, meint Elias. Sein Motor läuft nach Korrekturen einwandfrei.

Das Nackenheimer Repair Café existiert mittlerweile drei Jahre. „Jeder kann mit seinem defekten Gerät – mit oder ohne Kabel – vorbeikommen.“ Sei es ein Toaster, das Radio oder das Fahrrad: Etwa 600 Bürger aus der Verbandsgemeinde haben das Café zufrieden – weil mit einem reparierten Gerät – verlassen, freut sich Hobohm.

Das Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft hat Hennig Borchers initiiert. Gerade testet er den nächsten Elektromotor. Er läuft nicht rund. „Du hast einen Kurzschluss drin, dann bricht die Spannung zusammen.“ Was die vier erwachsenen Mitarbeiter des Repair Café vormachen, das gibt der Nachwuchs routiniert wieder. „Jetzt das Kabel anlöten.“ „Du brauchst saubere Kontakte.“ „Irgendwo schlägt er an“, beobachtet jemand. „Es scheint ein mechanisches Problem zu sein“, konkludiert Hobohm. Vier Stunden Spaß sind schnell vorbei. Vielleicht wird einer der Jungs später mal im Repair Café den Anderen helfen, ihre Geräte wieder benutzbar zu machen.

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