Alle Hände voll zu tun hat derzeit Ortsvorsteher Franz Jung, der in der Hechtsheimer Ortsverwaltung ohne feste städtische Mitarbeiter auskommen muss. Foto: Oliver Gehrig

Hechtsheim – Diese Sommerferien hatte sich der Hechtsheimer Ortsvorsteher Franz Jung (CDU) mit Sicherheit anders vorgestellt. Da beide städtischen Mitarbeiterinnen der Ortsverwaltung aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gegangen sind und ihren Dienst zum 30. Juni beendet haben, steht die Ortsverwaltung seit Juli ohne festes Personal da. Der Grund: Die beiden freien Stellen wurden von der Stadt erst zum 1. Juli ausgeschrieben – ein klares Versäumnis. „Mindestens sechs Wochen Zeit wurden vergeudet, denn es war schon lange klar, dass unsere beiden Mitarbeiterinnen ausscheiden“, klagt Jung im Sommergespräch mit der Lokalen Zeitung. „Erst vorletzte Woche endete die Bewerbungsfrist.“ Weitere drei Wochen dauern die Bewerbungsgespräche. Derzeit arbeiten in der Ortsverwaltung daher Springerkräfte als Notdienst – für einen 15.300 Einwohner großen Stadtteil ein Unding.

Eine Woche lang war die Ortsverwaltung nun ganz geschlossen, da auch die Springerkräfte mal Urlaub machen. Und der geöffnete Dienstagmorgen wurde vorerst ganz gestrichen. Die Folge: Wütende Bürger sitzen schon mit ihren Klappstühlen vor der Ortsverwaltung und begehren Einlass. „Ich als Ortsvorsteher kriege die Prügel ab“, klagt Jung, der selbst so gut es geht verwaltungsmäßig aushilft. „Dabei ist eigentlich OB Michael Ebling als zuständiger Dezernent gefordert.“ Wer eine bürgernahe Verwaltung propagiere, müsse auch entsprechende Voraussetzungen schaffen. „Das Bürgeramt müsste personell besser ausgestattet werden“, fordert Jung. Der Ärger dürfte vorerst weitergehen. Jung hofft, dass die beiden Stellen zumindest bis Spätherbst wieder besetzt sind.

Ein weiteres Dauerthema ist der Neubau des Bürgerhauses, dessen Zeitplan um drei Monate nach hinten gerutscht ist. Nun ist auch die Kampagne 2019 in Gefahr, die eigentlich im neuen Bürgerhaus stattfinden sollte. „Es ist grenzwertig“, kritisiert Jung. „Wenn drei Bürgerhäuser ausfallen und die Rheingoldhalle saniert wird, wird es für die Fastnachtsvereine kritisch.“ Der Inventurverkauf findet übrigens am Freitag, 1. September, von 16 bis 18 Uhr im Bürgerhaus statt. Es werden Gegenstände wie Gläser, Teller, Töpfe, Rednerpulte, Schränke, Regale, technische Geräte und Feuerlöscher veräußert.

Weiter geht’s auch mit den Neubaugebieten. Am Weidezehnten etwa entstehen 90 Wohneinheiten. Der erste Bauabschnitt ist bereits verkauft, der Verkauf des zweiten Bauabschnitts läuft gerade. Jung: „Die Nachfrage ist da.“ Erste Beschwerden über zu laute Jugendliche gibt es am neuen Bolzplatz auf der Frankenhöhe. Streetworker sollen dort mit den Jugendlichen reden, zudem sollen entsprechende Hinweisschilder für Abhilfe sorgen. Unzufrieden ist der Ortsvorsteher weiterhin mit dem städtischen Zentrenkonzept. „Dass das Hechtsheimer Gewerbegebiet dem Zentrenkonzept unterliegt, ist ein Riesenproblem“, betont Jung. „Wieso ins neue Heiligkreuzareal kein Einzelhandel darf, ist mir schleierhaft.“

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.