Dieses Spiel macht Spaß. Den Gegner schachmatt zu setzen erfordert aber viel Konzentration. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Bodenheim – Das Ferienprogramm in der Verbandsgemeinde (VG) Bodenheim läuft auf vollen Touren. Dabei dient manches Angebot sehr wohl der Entschleunigung. Der Schach-Workshop zum Beispiel, den die Jugendpflege der VG zum ersten Mal ins Programm aufgenommen hat.

In der Pause dringt zwar das Lachen, Kichern und Toben durch die Tür ins Treppenhaus der Grundschule in Bodenheim. Doch sobald die Kinder einander gegenüber vor den Schachbrettern sitzen, kehrt Ruhe ein. Die Konzentration im Raum verdichtet sich. Gleich 15 Kinder okkupieren zwei Räume im dritten Stock. Während die Jüngeren fleißig die Regeln des Spiels erlernen, verfeinern die anderen ihre Verteidigungs- und Angriffsstrategien. Das alles dank der freundlichen Unterstützung der Freunde der königlichen Denksportdisziplin aus Bodenheim.

Umso erstaunlicher mutet das Verhalten der Kinder an, da man eigentlich bei Kindern von heute eher vermuten würde, dass sie lieber zu Hause dem PC oder der Konsole den Vorzug lassen.

Ganz anders in Bodenheim. Speziell für die Gruppe der jüngeren Kinder entsandte der Bodenheimer Schachverein eigens den Jugendleiter. Einen alten Hasen jedenfalls an der die Erfahrung gemessen. Philipp Spitzlei spielt seit seinem elften Lebensjahr Schach. Das sind mittlerweile zehn Jahre, verrät er auf Nachfrage. Für die vier Jungen und drei Mädchen, die er zwei Tage betreut hat, hatte er ausschließlich Lob. „Sie haben sich als fleißige Schüler erwiesen.“ Zwar haben sie kurz vor dem Abschluss des Workshops nicht das komplette Übungsbuch abgearbeitet, aber das ist nur eine Randnotiz. Dass man beim Schachspiel nicht mit- sondern gegeneinander spielt, wissen sie genau. Auch, dass bei der Partie darum geht, den Spielpartner schachmatt zu setzen. Das heißt? „Wenn er angegriffen wird und keine Züge mehr machen kann, dann hat der Gegner verloren“, erklären gleich mehrere Kinder fast zeitgleich. Und was haben sie noch gelernt? „Dass der Springer in der Mitte stärker ist als am Rande“, erklärt Benjamin.

Manche Kinder sind absolute Anfänger, andere kennen das Spiel. „Mein Papa hat es mir schon mal gezeigt und es hat mir sehr gut gefallen“, begründet Annika ihre Teilnahme am Workshop. Die Partie gegen den siebenjährigen Cody ist unentschieden ausgegangen.

Natürlich hofft Spitzlei, dass der ein oder andere Teilnehmer die Jugendabteilung des Vereins verstärkt. „Momentan sind wir eine Handvoll Jugendlicher.“ Sie treffen sich immer dienstags an Schultagen um 18 Uhr im Bodenheimer Dolles in der Garderobe im ersten Obergeschoss. „Neben dem großen Weber Saal“, fügt er hinzu und schaut der sechsjährigen Mina beim Spielen zu. Sie ist die jüngste von allen. Heute hat sie den Lehrer besiegt, behauptet sie stolz. Der Jugendleiter schmunzelt. Hat er sie etwa die Partie gewinnen lassen? Wenn ja, dann war das ein kluger Schachzug von ihm.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.