Anita Zimmermann von der Beratungsstelle Flüsterpost freut sich: Dieses Mobile mit 100 Origami-Kranichen macht in der GPR-Klinik auf ein spezielles Thema aufmerksam: Erkranken Erwachsene an Krebs, sind nicht selten auch Kinder und Jugendliche betroffen. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Rund 500 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Doch nicht nur der Erkrankte ist davon betroffen. Meist müssen auch Angehörige mit der Diagnose und ihren Folgen klarkommen, nicht selten Kinder und Jugendliche. „Wir schätzen, dass jährlich 200 000 Kinder und Jugendliche davon betroffen sind, dass der Vater oder die Mutter an Krebs erkrankt sind“, erläutert Anita Zimmermann.

Die Diplom-Sozialpädagogin ist Leiterin der nahe der Christuskirche zu findenden Beratungsstelle Flüsterpost. Zumindest hier finden Kinder und Jugendliche Ansprechpartner und altersgerechte Informationen, aber auch Betreuung und Begleitung durch eine schwierige Zeit.

Anita Zimmermann war denn auch begeistert, als sie sah, was im Rüsselsheimer GPR-Klinikum an der Decke hängt. Es ist ein Mobile mit 100 Origami-Kranichen. Während des Hessentags hatten GPR und die Hochschule Rhein-Main dazu aufgerufen, Origami-Kraniche zu basteln, um damit auf das Anliegen von Flüsterpost aufmerksam zu machen und die Verbundenheit auszudrücken. Letztlich waren es 1226 Kraniche.

Damit war die Zahl der angestrebten 1000 Kraniche sogar deutlich überschritten. 1000 Kraniche deshalb, weil nach dem Atombombenabwurf aus Hiroshima 1945 die damals elfjährige Sadako an Leukämie erkrankte. Sie erinnerte sich an die Legende, wonach derjenigen bei den Göttern einen Wunsch frei hat, wenn er 1000 Origami-Kraniche faltet. 72 Jahre später stehen Zahl und Symbol für die vielen Kinder und Jugendlichen, die damit klarkommen müssen, dass der Vater oder die Mutter an Krebs erkrankt ist und vielleicht sterben muss.

„Es ist außerordentlich wichtig, dass man mit den Kindern und Jugendlichen über das Thema spricht“, weiß Anita Zimmermann aus langjähriger Erfahrung. Werde das Thema allerdings verdrängt oder sogar totgeschwiegen, bestehe die Gefahr, dass das Kind massive Ängste aufbaue und ebenfalls erkranke – körperlich wie seelisch.

Im November 2003 gründete sich der mittlerweile bundesweit tätige Verein Flüsterpost. Vorsitzender ist der bekannte Mainzer Professor und Mediziner Gerhard Trabert. Er versorgt zusammen mit seinen Unterstützern ehrenamtlich Wohnsitzlose und Menschen ohne Krankenversicherung medizinisch. Die Beratungsstelle Flüsterpost ist unter 06131/5548798 erreichbar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kinder-krebskranker-eltern.de.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“