Nein, es ist nicht die Kommunion. Bei der Hundesegnung ist die Fleischwurst besser angekommen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Hechtsheim – Nicht nur Gebet, sondern auch das Gebell gehört mit zu dem nicht alltäglichen Gottesdienst beim Mainzer Hundeverein. Vor fünf Jahren ein Novum, ist die Hundesegnung auf dem Vereinsgelände in Hechtsheim mittlerweile eine Institution geworden.

„Unsere Hunde zeigen uns die Weite“, sagt der katholische Pfarrer der St. Pankratius Gemeinde in Hechtsheim, Michael Bartmann, in der Predigt, bevor er die Vierbeiner segnet. „Oft vergessen wir, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.“ Dass nicht nur der Mensch, sondern die Tiere ein Teil der Schöpfung Gottes seien, illustriert er mit dem Bibelzitat aus dem Buch Genesis.

„Und Gott sprach“, liest Bartmann: „Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und wilde Tiere der Erde nach ihrer Art.“ Er beendet die Verse mit: „Und Gott sah, dass es gut war“.

Als der Mainzer Hundeverein die Hundesegnung – jeweils zum Tag des Hundes angeboten – in sein Vereinsportfolio aufgenommen habe, habe es in Mainz und der Umgebung bloß Segnungen für Pferde und Motorradfahrer gegeben, erinnert sich der Vereinsvorsitzende, Reiner Leussler. „Wir haben eine echte Missionsarbeit verrichtet“, schmunzelt er und freut sich gleichzeitig darüber, dass es mittlerweile ähnliche Angebote in Finthen und Weisenau gebe.

Während Renate Ross, ein Vereinsmitglied, das Waldhorn spielt, singt die Gemeinde, die ein wenig aus dem für gewöhnlich bekannten Rahmen fällt, „Großer Gott, wir loben Dich…“

Bevor Bartmann jeden einzelnen vierbeinigen Gottesdienstbesucher mit geweihtem Wasser und einem Segensspruch liebevoll bedenkt, sagt er: „Wenn wir auf unsere Freunde schauen, müssen wir als Hundefreunde weiter blicken.“ Es gehe beispielsweise um die artgerechte Haltung oder um angemessene Nahrung. „Und das alles kostet uns unter Umständen mehr.“ Die gelebte Zuneigung fordere den Hundehalter. „Durch die Segnung bedenken wir nicht nur das Tier, das nicht irgendeine Art von Roboter ist, sondern ein Lebewesen.“

Gleichzeitig gelte der Segen der Gemeinschaft, die der Hund und sein Herrchen oder Frauchen formen, unterstreicht der Pfarrer. Da er ebenfalls ein Hundehalter und -liebhaber ist, kennt er deren Vorlieben. „Im letzten Jahr habe ich Leckerli mitgebracht, die sind aber nicht gut angekommen“. Vor und nach der Benediktion reicht er jetzt den Hunden ein Stückchen Fleischwurst. Was auf Anhieb gut ankommt. „Es sind Mainzer Hunde, sie mögen Fleischwurst“, meint er. Dass die Segnung mit Gebet und Gebell ein Wohlgefallen beim Schöpfer gefunden hat, davon ist unterdessen auszugehen.

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