Moderator Ludwig Braun (2. v. rechts) diskutierte mit David Dietz, Ursula Groden-Kranich und Dr. Carsten Kühl (von links). Foto: Oliver Gehrig

Bretzenheim – Wie geht es weiter nach der Bundestagswahl im September? Darüber diskutierten jetzt die Mainzer Bundestagskandidaten Ursula Groden-Kranich (CDU), Dr. Carsten Kühl (SPD) und David Dietz (FDP) mit Moderator Ludwig Braun, dem Bezirksvorsitzenden der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), im katholischen Gemeindezentrum St. Bernhard. Tabea Rößner, Bundestagskandidatin der Grünen, hatte kurzfristig abgesagt. Im Fokus der mehr als zweistündigen Diskussion vor rund 50 Zuschauern standen die Bereiche Rente, Arbeit und Fluglärm.

„Offensichtlich ist schon die heutige Rente nicht üppig“, klagte Carsten Kühl. So habe ein Durchschnittsverdiener gerade einmal 1100 Euro netto zu erwarten. Er plädierte dafür, gerade die unteren Einkommen im Blick zu behalten und auch die Selbstständigen mit einzubeziehen. Ein Teil der Finanzierung müsse über allgemeine Steuermittel geschehen. Ursula Groden-Kranich erwähnte die von der Großen Koalition eingeführte Mütterrente, die Rente mit 63 und die flexible Rente. Der Mindestlohn sei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, zudem müssten die vermögenswirksamen Leistungen gestärkt werden. Für eine flexible Rente ab 60 sprach sich David Dietz aus. Die Liberalen seien für mehr Freiheit und mehr Flexibilität. Unterschiedliche Lebensentwürfe müssten berücksichtigt, die private Vorsorge attraktiver gemacht werden.

Beim Thema Arbeitsmarkt sprach sich Dietz für eine flexiblere Arbeitsmarktpolitik aus, die auch Auszeiten ermöglicht. Qualifizierung und Weiterbildung seien wichtig. Für mehr Wertschätzung der Mitarbeiter und für eine anständige betriebliche Mitbestimmung appellierte Kühl. Neben dem Elterngeld sollte auch das Familiengeld eingeführt werden. „In erster Linie fallen heute die einfachen Arbeiten weg“, betonte Groden-Kranich. „Wichtig ist, dass Menschen gerne arbeiten gehen.“

Kurz gestreift wurde das Thema Fluglärm. Für Kühl ist es mehr ein bundespolitisches Thema. Initiativen der Landesregierung seien im Bundesrat oder Bundestag „totgestimmt“ worden. „Das Land hat das Thema verschlafen“, entgegnete Groden-Kranich. Die Stadt Mainz habe gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens protestiert und vom Land zunächst keine Unterstützung bekommen. Dietz unterstrich die Bedeutung des Frankfurter Flughafens für die Region. Das neue dritte Terminal sei allerdings unnötig, der Cargobereich müsste stärker zum Flughafen Hahn verlagert werden.

Angenehm war die entspannte sachliche Atmosphäre der Bretzenheimer Diskussion. Auf Polemik und Diffamierungen wurde komplett verzichtet, dankenswerterweise auch von Seiten der Zuhörer.

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.