Skaten, Bouldern und Sprayen soll künftig auf dem ehemaligen Areal von Kies Menz am Kasteler Rheinufer möglich sein. Foto: Oliver Gehrig

Kastel – In einem Dialog zwischen Bürgern, Verwaltung und der Politik wird bis zum dritten Quartal ein Entwicklungs- und Handlungskonzept für die Wiesbadener Straße in Kastel entwickelt. Der Stadtraum Wiesbadener Straße im Kasteler Westen befindet sich seit Jahren im Umbruch. Die bereits zur Diskussion stehenden Nachnutzungen von Gewerbebrachen wie der ehemaligen Papierfabrik Clemens und von Konversionsflächen wie der Housing Area verdeutlichen den aktuellen Planungsbedarf. Nach einer gemeinsamen Radexkursion und einem „Planen im Freien“ gab es nun eine Ideenwerkstatt und mehrere Planungslabore im „Haus der Bildung und Begegnung“ in der Housing Area, wo eine Dependance der Gustav-Stresemann-Schule und eine Kita untergebracht sind.

Auf einem „Planungsteppich“ konnten die Teilnehmer rote, blaue und grüne Punkte aufkleben. Grün für das, was ihnen gefällt, Rot für das, was nicht so gut ist und Blau für Wünsche. „Jeder kann seine Meinung sagen“, betonte der städtische Stadtplaner Marcus Vaupel. In einem Kubus war Wohnraum zu erkennen und die Teilnehmer lernten so auf transparente Weise die Rahmenbedingungen zur Schaffung einer Siedlung kennen.

Am weitesten fortgeschritten sind die Planungen für das ehemalige Areal von Kies Menz am Rheinufer neben der Theodor-Heuss-Brücke. Hier soll ein Bereich für junge Erwachsene zum Skaten, Sprayen und Bouldern, also zum Klettern ohne Gurt und Seil, entstehen. „Die alte Kranbahn soll als Industriedenkmal erhalten bleiben“, versicherte Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD). „Das wird nicht in Frage gestellt.“ Vorbild bei der Realisierung, für die insgesamt rund zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen, ist der Frankfurter Osthafen. Die Umsetzung startet bereits dieses Jahr, der erste Bauabschnitt wurde jetzt in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Die planerische Betreuung übernimmt das Hochbauamt.

Schwieriger ist die Umgestaltung der Housing Area, da die US-Streitkräfte noch nicht ihren endgültigen Verzicht auf das komplette Areal erklärt haben, erläuterte Roland Stöcklin, Geschäftsführer der betreuenden Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG). Die SEG ist Mieter für die frei gegebenen 4,5 Hektar des insgesamt 11,6 Hektar großen Areals. „Es ist ein Glücksfall für den Stadtteil, dass wir hier eine Kita und eine Schule hinbekommen konnten.“ Die Kita besteht aus vier Gruppen und die einzügige Dependance der Grundschule hat nach den Sommerferien vier Klassen. Außerdem wohnen in der Housing Area derzeit 500 Flüchtlinge. Für bis zu 800 Flüchtlinge ist dort Platz.

Unterschiedliche Interessen gibt es für die Brachfläche der früheren Papierfabrik Clemens. „Viele Nachbarn wollen ihr Gewerbe weiterbetreiben“, erläuterte Stadtplaner Vaupel. „Wir werden dafür sorgen, dass das möglich ist.“ Auch die benachbarte Bereitschaftspolizei möchte ihr Grundstück behalten.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.