"Die Straßen von Mainz-Laubenheim“ erweitern die Schriftenreihe zur Ortsgeschichte. Foto: Helene Braun

Laubenheim – Gut 50 Besucher fanden sich in der Ortsverwaltung zur Vorstellung des brandneuen und druckfrisch ausgelieferten Werkes von Wolfang Stampp ein. In der Schriftenreihe zur Ortsgeschichte hat sich Stampp den Straßen im Ort gewidmet, sie katalogisiert, ihre Lage in Text und Plänen, ihre Entwicklung, Bebauung und mehr beschrieben. Der SPD-Fraktionssprecher im Ortsbeirat, Leiter des Umwelt-Teams und Ehrenvorsitzende des AC 09 hofft damit, „dass das Buch als Nachschlagewerk seinen Platz finde und vielleicht auch zum Schmökern anregen kann.“ Die meisten nahmen erst mal die Gelegenheit wahr, sich das Buch vom Autor signieren zu lassen.

Die Erhebung der Historie ist Wolfgang Stampp nicht fremd, hat er doch für den AC 09 schon einige Werke zur Archivierung der Vereinsgeschichte und einige zur Ortsgeschichte dazu erfasst. Dr. Gebhard Kurz, der einige Fakten beigesteuert und das Buch lektoriert hat, sagte: „Unser bewährter Dokumentator hat in diesem Buch einen sehr speziellen Zugang zur Ortsgeschichte eröffnet. Gerade dadurch wird es sehr interessant.“ Und Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter meinte: „Der Name der Straße, in der wir aufgewachsen sind, gehört zu uns genauso wie der Name der Straße, in der wir leben.“

Wussten Sie beispielsweise, dass die Ernst-Reuter-Straße zuvor drei weitere Namen trug? Oder dass die Henry-Moisand-Straße nach dem Bürgermeister von Longchamp, der die Partnerschaft mitbegründete, benannt ist? Oder der Marktplatz Adolf-Hitler-Platz hieß? Dies stellt Stampp in den historischen Zusammenhang, denn die Nationalsozialisten versuchten nach ihrer „Machtübernahme“, in den Talstraßen und der Ludwigstraße ein NS-Viertel zu etablieren. „Es war natürlich klar, dass diese politischen Straßennamen nach 1945 sofort beseitigt wurden“, schreibt Stampp in der Einleitung.

Im Gebiet zwischen Neuweg und Riedweg findet man viele Namen von Komponisten. An zwei Stellen ist eine Gruppe von Ortsnamen zu finden: eine kleinere südlich des Riedwegs mit den beiden weinbautreibenden Nachbargemeinden Nackenheim und Nierstein, eine größere im Gebiet zwischen Rheintalstraße, Neuweg und Rüsselsheimer Allee mit immerhin fünf rechtsrheinischen Nachbargemeinden.

Die größte Gruppe bilden die alten Flurnamen im Neubaugebiet am Berghang. Im alten Ortskern ergab sich dagegen von jeher eine Gruppe von Namen mit Bezug auf bestimmte Funktionsorte: Marktplatz, Kirchstraße, Pfarrgasse, Schulstraße, Spritzengasse. Bei der letzten in Laubenheim erfolgten Namensgebung konnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Der Ortsbeirat war aufgefordert, im Sinne der politisch gewünschten Gleichbehandlung von Männern und Frauen für die beiden neuen Straßen im Baugebiet unterhalb der Kirche entsprechende Vorschläge zu machen.

Nach eifriger Suche und Diskussion kam man auf die beiden in der ersten urkundlichen Erwähnung Laubenheims 773 genannten fränkischen Stifter, die Eheleute Adalfrid und Songart; diese Wahl wurde noch dadurch unterstützt, dass bei Erschließungsarbeiten in diesem Baugebiet fränkische Gräber gefunden worden waren.

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