Andreas Kuhlen (re.) und Marc schier sind der Beweis: Mombacher können Marathon. Neben und auf der Strecke. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Mombach – Die Endorphine schwirren nach wie vor im Kopf von Andreas Kuhlen umher. Zwei Tage nach dem Gutenberg-Halbmarathon erinnern allerdings seine Muskeln ihn unmissverständlich an die Anstrengung: 21,0975 Kilometer sind kein Pappenstiel.

Blick zurück: Es ist Sonntag. Vor dem Mainzer Rathaus in der Rheinstraße fällt der Startschuss zum 18. Gutenbergmarathon von Mainz. Die Zahl der Läufer geht gefühlt ins Unendliche. Tatsächlich gehen über 7500 Teilnehmer an den Start. „Bis zur Startlinie sind wir zehn Minuten gelaufen“, erinnert sich Kuhlen. Die meisten von ihnen versuchen sich wie er am Halbmarathon.

Viertel vor zehn taucht indes der erste einsame Wettläufer in der Mombacher Hauptstraße auf. Ein Profi mit integriertem Tempomat. „Als wir den Bismarck-Platz erreichten, kam er aus Richtung Mombach zurück“, schmunzelt Kuhlen.

Die Stimmung in Mombach steigt unterdessen. Die hiesige Turngemeinde, die vor Ort mit 150 Ehrenamtlern alles managt, unterbricht das Show-Programm. Die Mombacher können Marathon. Die Menge jubelt. Die Faszination entfaltet sich ganz und gar, sobald ein Tross von bunt gekleideten und erstaunlich zufriedenen Nachahmern wie aus dem Nichts heranrollt. Kuhlen, der neben seinem Laufpartner, Marc Schier, läuft, ist zwischendrin. „In Mombach anzukommen, das macht schon was her. Ab dem Kreisel wird es immer voller. Das puscht.“ Eine Entschädigung für die Tristesse der Industriestraße. „Meine Familie stand aber auch dort“, lobt Kuhlen deren Einsatz.

Im blauen Shirt, der neongelben Kappe und mit einem breiten Lächeln im Gesicht, begrüßt er bei Kilometer sieben die Familie. So viel Zeit müsse sein, meint er. Seine Töchter sind begeistert. Dann nimmt er noch einen Trinkbecher entgegen, geht einige Meter und ist ratzfatz wieder weg.

„Seit zwei Jahren laufe ich jede Woche zehn Kilometer“, schildert er die Vorbereitung: Die private und immer gleiche „Tour de Lenneberg“, die an der Haustür beginnt und dort endet.

Nach 15 Marathonkilometern habe die Anstrengung angefangen. „Die Muskeln taten zum ersten Mal weh. Aber wir haben uns die Kräfte wohl gut eingeteilt.“ Dennoch: durch Weisenau habe er sich richtig durchkämpfen müssen. Wie andere auch. „Nicht wenige gaben dort auf.“ Sein Fight hat sich ausgezahlt. Die Zeit vom Vorjahr sei um fünf Minuten besser. „Platz 2819“, freut er der 35-Jährige. Die Urkunde, die die Organisatoren jedem Teilnehmer als Pdf-Datei online bereitstellen, habe er sich schon mal gespeichert. In bunt ausgedruckt, werde er sie neben jene von 2016 an die Wand hängen. Und die von 2018? Kuhlen lacht: „Bestimmt. Ich und Marc lassen uns aber für die Entscheidung ein paar Tage Zeit.“ Sobald die Glückshormone verbraucht sind, wird ihnen bestimmt keine andere Wahl bleiben.

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