Der Mainzer Wochenmarkt hat es der Künstlerin aus Buenos Aires besonders angetan. Foto: Helene Braun

Bretzenheim – Lange habe sie gebraucht, den Mainzer Wochenmarkt so zu malen, dass das Ergebnis sie selbst zufriedenstellte. Das offenbarte die Künstlerin Isabel Coraita am Rande der Vernissage ihrer Ausstellung „Frühling in Mainz“ im Bretzenheimer Rathaus. Öl- und Aquarellbilder hat sie mitgebracht, obwohl das sonst in Kombination für die Wahl-Bretzenheimerin aus Argentinien ein absolutes No-Go ist.

Doch der Raumzuschnitt im Rathaus kam ihr entgegen. Die Aquarelle hängen quasi in einer Nische und sind so von den Ölbildern räumlich getrennt. Räumlich, aber nicht thematisch. Manche Motive findet man in Öl und Aquarell, doch unterscheiden sie sich in der Wirkung sehr. Während die „Kirschblüte am Welschplatz“ in Öl eine beschauliche Straße zeigt, ohne Makel, ohne Autos, ohne Menschen und damit irgendwie unwirklich wirkt wie in einem Traum, sind die Kirschblüten im Aquarell im Ausschnitt stark vergrößert und erinnern an das Architektonische in der japanischen Kunst.

Die Marktbilder, das erste von 2016 etwas dunkler als die neueren und aus der Distanz gesehen, finden Ergänzung in bunten, fröhlichen und lebhaften Szenen, eine „Symphonie von Farben und Bewegung“, wie Christoph Selenka, der die Künstlerin und ihre Kunst in einer Laudatio vorstellte, es nannte.

Sie sei 1995 bewusst nach Mainz gezogen, erzählte Isabel Coraita, richtig angekommen aber sei sie erst 2012, als sie beschloss, nicht nach Argentinien zurückzukehren und nach Bretzenheim zu ziehen. „Dann ging ich mit dem Fotoapparat durch die Stadt.“ Mainzer Motive waren ihr Ziel, die sie in Öl auf die Leinwand bannte. Die Augustinerstraße, die Seminarkirche, die Ludwigstraße findet man hier und manch weitere dem Mainzer vertraute Stätte.

Gleich eine ganze Reihe an Ritterspornbildern, alle ähnlich im Motiv und dennoch in der Ausstrahlung grundverschieden, die Coraita auf Gonsenheimer Blumenfeldern zum Teil Pleinair geschaffen hat, berauschten den Betrachter mit den leuchtenden Farbkompositionen im unterschiedlichen Tageslicht.

Christoph Selenka, der sich den Werken in fast poetischer Weise näherte, freute sich nicht nur über den hohen Besucherzuspruch, auch den Rahmen lobte er in hohem Maße, den edel dekorierten Sitzungssaal, besonders aber die Künstlerin, die die Gesamtkomposition perfekt machte. Die geniale Geigerin Mariagabriela Barreto, die musikalisch die Vernissage begleitete.

Die Ausstellung ist noch bis 7. Juni im Bretzenheimer Rathaus zu sehen.

Teilen
Vorheriger ArtikelMit dem Messer gedroht
Nächster ArtikelSieben Projektgruppen zu „Ich bin dabei“ in Ingelheim
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.