Mit Begeisterung dabei: Alban Reinhardt vor dem denkmalgeschützten Haus an der Ecke Lindenplatz/Neugasse. Foto: Helene Braun

Zornheim – Er ist ein Mann, der in sich zu ruhen scheint, doch wenn er von der Geschichte Zornheims erzählt und dem großen Vorhaben, das er im Fokus hat, kommt mehr und mehr das Feuer zum Vorschein, das ihn antreibt. Alban Reinhardt ist der Vorsitzende des erst 2013 geründeten Heimat- und Geschichtsvereins (HGVZ). In einer Sitzung im Januar 2016 hatte der Vorstand beschlossen, die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Gastwirtschaft Blüm am Lindenplatz käuflich zu erwerben, um ein Museum daraus zu machen, ein Haus der Geschichte sozusagen. Gebaut wurde es um 1800, seit Ende der 1980er Jahre stand die Gastwirtschaft bereits leer. Künftig sollen hier Bücher, Bilder und Dokumente untergebracht werden und Versammlungs-, Vorlese- und Kulturabenden stattfinden.

In einer von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Halle lagern größere Teile, darunter auch das Schild des ehemaligen Gasthauses Blüm. Foto: Helene Braun

Für 30.000 Euro gehört das Fachwerkhaus nun dem Verein und die Sanierungsarbeiten mit dem Ziel, die noch vorhandene historische Bausubstanz zu erhalten, schreiten voran. In den letzten Wochen wurde das Dachgebälk überarbeitet und entsprechend der Geschichte des Hauses mit alten „Biberschwänzen“ eingedeckt. In Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Architekten Gerold Diehl war zuvor im letzten November die marode Giebelwand vollständig abgetragen und erneuert worden, ab dem 1. Obergeschoss in sogenannter Ständerbauweise. Das kostete mit dem Dach nochmal 10.000 Euro. „Jetzt brauchen wir erst wieder Geld“, gibt der Vorsitzende Reinhardt zu bedenken. Die Gemeinde habe einen größeren Betrag lockergemacht, 20.000 Euro, über 10.000 Euro gab es an Spenden bislang, und im Rahmen der Dorferneuerung habe die Kreisverwaltung 13.600 Euro angekündigt. Mit zehn Mitgliedern gegründet, verfügt der Verein schon jetzt über mehr als 150 Mitglieder. „Wöchentlich kommen neue hinzu“, freut sich Reinhardt.

Mit den Renovierungsarbeiten ist der 2. Vorsitzende, Franz-Rudolf Kemler, betraut. Verschiedene Fachfirmen wie etwa die heimische Bau-Firma Mendt, die Mommenheimer Firma Schott oder Schmuck Holzbau aus Sörgenloch leisten das Nötige mit ihrem speziellen Know-how. Das erste große Etappenziel ist somit erreicht, aber wenn man hineinblickt in das Gebäude, sieht man, hier ist noch vieles zu tun. Die Löcher in der Giebelwand haben das Holz faulen lassen, die Treppe zum Obergeschoss wird komplett erneuert werden müssen, und zur Sicherheit sind ist die Decken im Raum, der Versammlungen dienen soll, abgestemmt. Vom Gewölbekeller bis zum Dachboden haben freiwillige Helfer schon ungezählte Stunden hier verbracht. Spätestens aber, so Alban Reinhardt, zur 1250-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 2021 soll alles fertig sein.

Eine Halle am Hipppfad hat die Gemeinde ebenfalls zur Verfügung gestellt, wo landwirtschaftliche und Haushaltsgeräte lagern, darunter eine „Teufelsgeige“ und ein Hebammenkoffer samt Inhalt. Bislang aber füllen noch unzählige Bücher, Dokumente, Bilder und Aktenordner, in denen Reinhardt alles peinlich genau gesammelt und dokumentiert hat, die Schränke, Vitrinen und Wände  in seinem Heim in der Raiffeisenstraße. Und wenn er von der Geschichte Zornheims und seinen eigenen Entdeckungen erzählt, blitzen die Augen, denn er ist nicht nur Sammler, sondern auch Forscher.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.