Eines der Highlights der Indigo-Frühjahrsaustellung: das Frauenporträt von Karin Böpple. Foto: Helene Braun

Ebersheim – In der „Feierscheier am Turm“ lässt sich nicht nur dem Namen nach gut feiern, auch und besonders, wenn es um Kunst um Wein zugleich geht. Im wunderschönen Ambiente eröffnete hier Helmi Wüst vom Kunstkreis Indigo die märchenhafte Frühjahrsausstellung „Kunst und Wein“ unter dem Motto „Zauber des Orients“. Einen grünen Tee gleichen Namens brachte Ortsvorsteher Matthias Gill als Gastgeschenk mit.

Die Thematik trifft den Besucher schon, kaum, dass er den Eingang zur Feierscheier passiert hat. Zarte Aquarelle von Heike Wagner zeigen „Frauen des Orients“ oder einen orientalischen Markt. Geht man weiter, bemerkt man: alle teilnehmenden Künstler haben ihren Beitrag dazu geleistet, ohne Ausnahme und jeder im eigen schon bekannten Stil.

Helmi Wüst, die Experimentierfreudige, hat gleich mehrere neue Erfindungen gemacht. Das Darb-i-Imam Mausoleum in Isfahan wirkt wie ein Mosaik in Grün und Gold. „Ich habe ein altes Venedig-Bild genommen, es mit Wachs überzogen, die Farben ausgekratzt und übermalt“, erklärt die Ebersheimer Künstlerin, die nicht nur erlernte Techniken anwendet, sondern sich selbst immer neue ausdenkt. An anderer Stelle trifft man wieder auf ihre Bilder, die im Zusammenhang mit dem Orient allesamt prächtig daherkommen. Rote, schwarze und goldene Acrylfarbe auf Stoff ergibt in der künstlerischen Bearbeitung einen „Orientteppich“, der aussieht wie gewebt. Oder das sehr plastisch wirkende Bild, das schlicht Stoffmuster heißt, zeigt goldumspielte dunkelrote Rosen auf dunkelgrün-blauem Grund.

Sehr plastisch wirkt das Bild von Helmi Wüst, das schlicht Stoffmuster heißt. Foto: Helene Braun

Claudia Welte-Jzyk, die sich immer abseits der gängigen Motive bedient und eine Vorliebe für verfallene Fabrikgelände und Ruinen aufweist, ist auch unter all den fröhlichen, prunkbehafteten und größtenteils farbenfrohen Bildern ihrem Stil treu geblieben. Mystisch anmutend kommen die Bilder daher. Das steinerne Gewölbe, wo vielleicht ein Markt stattfinden mag, zeigt deutliche Spuren des Verfalls. Die Menschen, die hindurch gehen, sind grau und kaum erkennbar und nur wenig mehr als Schatten. „Entzaubert“ heißt das Aquarell dann auch.

In einem Werk von Gudrun König begegnen sich Sand und Acryl als Materialien. Eine Moschee erhebt sich in der Wüste, blassblau und kaum erkennbar, eine „Fata Morgana“. Brigitte Wollek hat in einem Stillleben mit Pastellkreide eine Tortenspitze am Rand eines Trinkglases eingearbeitet. Königlich wirkt das verwendete Blau. „Sandsturm über der Wüstenstadt“ heißt ein Aquarell von Ilse Weber. Andere Künstler der Gruppe und Gastaussteller haben sich in weiteren orientalischen Motiven verewigt.

Tief beeindruckt das Frauenporträt von Karin Böpple, so dass man kaum den Blick abwenden kann. Intensiv schaut eine verschleierte Frau den Betrachter an. Nur eine Gesichtshälfte ist sichtbar, die andere liegt vollständig im Schatten des schwarzen Papiers, auf das die Künstlerin mit speziellen Farbstiften die Zeichnung aufgebracht hat.

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.