Szene im Wald mit Oma Eule (Nathalie Hack), Mitte, Rotkäppchen (Valerie Wilhelm), li. und Schweinchen Wild (Sol Spies Bermúdez). Foto: Helene Braun

Mainz/Mombach – Man möchte meinen, die Musical Arts Academy of the Performing Arts sollte mit ihrem derzeitigen Ensemble auf Welttournee gehen, so perfekt, so anrührend, so professionell präsentierte der Abschlussjahrgang sein Herzensprojekt „Grimm! – Wie ein Märchen entsteht“ in den Mainzer Kammerspielen. Doch nun, da die Ausbildung vorbei ist, wird es die Tänzer, Sänger und Schauspieler in alle vier Winde zerstreuen. Alle haben bereits ein festes Engagement.

Von Annäherung und Integration, vom Gelingen und Scheitern, vom Anderssein und wie man damit umgehen kann, von Freundschaft und Vorurteilen und von Liebe handelt das Stück von Autor Peter Lund mit der Musik von Thomas Zaufke. Und wenn die Integration nicht voll gelingt? Dann findet man eine Lösung, wie man in Freiheit leben und dennoch zueinander finden kann. So in etwa lautet die Botschaft am Ende.

Das Publikum quittierte die Aufführung unter Regie von Claudia Wehner mit überschäumender Begeisterung und nicht nachlassendem Applaus.

Die Geschichte basiert auf verschiedenen Märchen. Da ist der Wolf, gefährlich, verführerisch und in keine Schublade passend (László Nagy), der sich in das bezaubernde Rotkäppchen (Valerie Wilhelm) verliebt. Die drei kleinen Schweinchen, sehr differenziert dargestellt von Amina Marjam Liedtke, Dorothee Weingraten und Lisa Marie Wehle, bilden ein weiteres Motiv. Gegenspielerin Sol Spies Bermúdez aus dem Wald (Schweinchen Wild) zeigt sich als Meisterin aller drei Sparten, die gleichberechtigt im Musical zum Zuge kommen. Ihren Namen sollte man sich auf alle Fälle merken.

Typgerecht besetzt sind auch die weiteren Rollen mit Christin Reiter, die beindruckend als Gisela Geiß agiert, und Oma Eule (Nathalie Hack), die ehemalige Nachtclub-Sängerin und weise Vermittlerin. David Krohn als Rex macht eine überzeugende Wandelung durch, ebenso wie Julian Schier als Hofhund. Sechs Geißlein aus dem Ensemble haben ihren Abschluss in der Musical-Schule noch vor sich und zeigen, was sie bei Direktor Björn Breckheimer und seinen ausgesuchten Lehrern schon fähig sind umzusetzen. Alles in allem, ein Meisterwerk an Darstellung, kongenialen Liedern und Tanz, das Claudia Wehner (Regie), Björn Breckheimer (Musikalische Leitung), Chris Ertelt (Choreographie) und Nathalie Meyer (Bühnenbild) mit den Absolventen ebenso meisterlich umgesetzt haben. Diese Mischung aus Talent, bester Ausbildung und Spielfreude ist unwiderstehlich im ebenso mystisch wirkenden wie genial einfachen Bühnenbild.

Des großen Erfolges wegen haben die Mainzer Kammerspiele weitere Aufführungen im Juni angesetzt:
Donnerstag, 15. Juni 2017 – 20 Uhr
Freitag, 16. Juni 2017 – 20 Uhr
Samstag, 17. Juni 2017 – 20 Uhr
Sonntag, 18. Juni 2017 – 18 Uhr

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