Die Gruppe „Mainzer Klezmer Kapelye“ beeindruckte das Publikum im voll besetzten ZMO tief. Foto: Helene Braun

Bretzenheim – Mystisch muten die ersten Klänge vom Vibraphon an. Mit vier Schlägeln in magentafarbenes Licht getaucht, stimmt Jan Köhler in das erste Stück und zugleich in das Klezmer-Konzert im ZMO ein. Valentin Kolar am Kontrabass gesellt sich nach einer Weile gefühlvoll hinzu. Jetzt werden sie lauter und schneller. Es wird Zeit für das Akkordeon (Lucas Djamba). Als Letzte sorgt Heidy Huwiler an der Klarinette für den typisch jiddischen Sound. Fröhlich und dennoch mit einer gewaltigen Prise Wehmut starten die vier Musiker der Gruppe „Mainzer Klezmer Kapelye“.

Jutta Hager, ZMO-Geschäftsführerin und die Seele der „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO), hat zuvor eine Premiere angekündigt. Die neue Klezmer-Gruppe besteht teils aus Mitgliedern einer früheren, die bereits im ZMO bekannt ist. Die vier Musiker hatten sich während verschiedener Klezmer-Meisterklassen an der Hochschule für Musik in Mainz kennengelernt und konnten sich sofort für ein gemeinsames musikalisches Projekt begeistern. Eigens aus der Schweiz angereist ist Heidy Huwiler, die dort Klassische Klarinette studiert.

Das erste Stück „Melodie für Marie“ ist vom bekannten Klezmer-Komponisten Guido Jäger, der bereits mit Giora Feidman und Tom Waits zusammengearbeitet hat. Das zweite Stück ebenso, dann folgen Eigenkompositionen der Bandmitglieder Köhler und Kolar. Die Klarinette schreit, klingt manchmal fast wie eine Trompete, dann wieder gemahnt der Klang an die Flöte eines Schlangenbeschwörers. Der Kontrabass fungiert zuweilen als Rhythmusinstrument, wird dann wieder melodisch. Tänze folgen und getragenere Stücke. Klarinettentöne, geheimnisvolle Vibraphonklänge, groovende Bassrhythmen und expressive Akkordeonläufe bestimmen den Ablauf.

Dabei brilliert Jan Köhler am Vibraphon, dass die Gäste im vollbesetzten ZMO ganz gebannt nicht nur zuhören, sondern auch zuschauen, wie die vier Schlägel über dem Instrument wirbeln. „Kreise um Kreise“ heißt eines seiner selbst komponierten Stücke. Die im 15. Jahrhundert entwickelte jiddische Volksmusiktradition findet ihre Fortsetzung in den Kompositionen der jungen Leute an den Instrumenten. „Der ewige Kreislauf“ von Valentin Kolar klingt erst wie ein Tango. Elemente europäischer Kulturen fließen ein.

Jan Köhler lädt zum Tanzen ein, zwei junge Mädchen trauen sich schließlich, eine Frau mit einem Kleinkind kommt hinzu und Jutta Hager sieht aus, als würde sie gleich vor Freude weinen, so gerührt ist sie über die Musik und wie sie in „ihrem“ ZMO ankommt. Alte Stücke wie „Happy Nigun“ wechseln mit neueren und den Eigenkompositionen. Eine Stunde, dann ist es vorbei, aber noch nicht so ganz. Denn das jubelnde Publikum will die exzellenten Musiker nicht ziehen lassen, noch nicht.

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