Ernst Erich Metzner referierte in der Martin-Luther-Kirche in Astheim über seine These, Martin Luther habe sich in Trebur aufgehalten und hier eines seiner Lieder gedichtet. Foto: Ralph Keim

TREBUR – Auf sehr großes Interesse stieß der Vortrag von Ernst Erich Metzner. Der Professor im Ruhestand referierte in der evangelischen Kirche in Astheim vor mehr als 120 Zuhörern über eine gewagte These: Im Frühjahr 1521 könnte Martin Luther sich in Trebur aufgehalten haben und hier eines seiner Lieder gedichtet haben.

Luther propagierte als den Augustiner-Eremiten angehörende Theologieprofessor Reformen und wurde deswegen nach Worms zum Reichstag zitiert, wo er den Fürsten Rede und Antwort stehen musste. Luther wusste schon auf dem Weg nach Worms, dass er nicht klein beigeben wird, auch wenn dies seinen Tod zur Folge haben könnte.

Die Geschichte lehrt, dass Luther (er starb erst 25 Jahre später) 1521 nicht auf dem Scheiterhaufen endete. Was die Geschichte jedoch nicht lehrt: Welchen Weg nahm der Reformator, als er sich nach Worms aufmachte? „Ich bin mir sicher, dass Luther auf seinem Weg nach Worms auch an Trebur vorbei kam und sich hier kurz aufhielt.“ Mit dieser gewagten These begeisterte kürzlich Ernst Erich Metzner in der Martin-Luther-Kirche in Astheim.

Trebur sei im Spätmittelalter gar nicht so abgelegen gewesen, wie manche meinen. „Hier gab es eine Durchgangsstraße, die von Frankfurt über Nauheim und Trebur bis nach Worms führte“, erläuterte der Rüsselsheimer. Vier Jahrhunderte vor dem Automobil sei Luther zu Fuß unterwegs gewesen und habe seine Route mit Sicherheit so geplant, dass er möglichst wenige Gewässer überqueren musste. „Denn die führten im Frühjahr meist Hochwasser.“ Und zwischen Frankfurt und Worms gebe es nun einmal, abgesehen vom Rhein, nur den Schwarzbach.

Und nicht nur, dass Luther im damaligen Trebur mit Sicherheit eine Rast eingelegt habe: Metzner kann sich gut vorstellen, dass er hier – in Erwartung eines vorzeitigen Ablebens auf dem Scheiterhaufen – sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ gedichtet hat. Dass der große Kirchenreformator ausgerechnet im beschaulichen Trebur eines seiner 36 Lieder gedichtet haben könnte, gefiel den Zuhörern selbstverständlich.

Am 27. April wird die Vortragsreihe zum Lutherjahr fortgesetzt. In der Geinsheim Dietrich-Bonhoeffer-Kirche referiert der Historiker Constantin Mussel zum Thema „Ora et labora – zu den katholischen Wurzeln in Geinsheim“. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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