Metzgermeister Peter Walz aus Mombach und Autorin Hiltrud Gill-Heine werden nach informativer Schinkenlesung, von den Veranstaltern der Lesereihe „Lesung zur Dämmerstunde“ im Café Malete, geehrt. Foto: Claudia Röhrich

Mombach – Hiltrud Gill-Heine, Stadtführerin der Touristik-Centrale Mainz, hat in den 80er Jahren durch ihre französischen Gäste erfahren, dass es eine längst vergessene Spezialität in Mainz gab, den „Mainzer Schinken“. Sie sangen ihr sogar das Loblied auf den „Jambon de Mayence“ vor. Vom Recherchefieber gepackt hatte sie in der Universität zu Metz in 35 Jahren Nachweise zur Existenz gesucht und gefunden. So berichtete sie, bei der Reihe „Lesung zur Dämmerstunde“ im Café Malete über ihre Erlebnisse bei der Schinkensuche, die sie in ihrem Buch “Mainzer Schinken eine fast vergessene Mainzer Spezialität“ festgehalten hatte.

Metzgermeister Peter Walz aus Mombach, der den Mainzer Schinken wieder nach alter Rezeptur herstellt, brachte den Teilnehmern der Lesung eine Kostprobe mit. Die Melodie des Liedes „Ein Mainzer Schinken“ zweisprachig gesungen, rundete den Abend ab. „Wahrscheinlich stammt das Lied aus Napoleons Zeiten“, so Hiltrud Gill. „Während der französischen Besatzung gab es keine Zollgrenzen, sodass die Waren leicht nach Paris gebracht werden konnten“. Die Zweitausgabe des Buches war zu bestaunen, gespickt mit Fotos, kleinen Geschichten und Rezepten. Direkt am Rheinufer gelegen, geschützt durch die hohe Stadtmauer, war die Metzgerzunft in Mainz angesiedelt. Der schon 1534 erwähnte Mainzer Schinken war wertvolles Tauschmittel gegen französische Schalentiere und verkaufte sich reichlich in die Hauptstadt Paris.

Hiltrud Gill-Heine fand am Ende ihrer Recherche sogar die Originalrezeptur als auch mit Peter Walz einen Metzger, der bereit war, diese alte Spezialität wiederzubeleben. Walz wurde bei einem Italienflug auf einen Bericht über die Leidenschaften der Autorin aufmerksam und setzte sich mit Gill in Verbindung. Zweieinhalb Jahre dauerte es, bis der Schinken den hohen Anforderungen des Metzgers genügte, seit 2007 gibt es ihn nun wieder zu kaufen. Nur Meersalz, Rheinhessenwein und Gewürze kommen zum Reifen an das Fleisch, neun Monate lang muss er trocknen. Auch in die Spitzengastronomie Mainzer Hotels ist der Schinken vorgedrungen.

Die Metzgerei Falk in der Betzelsgasse war bis 1942 die letzte Stätte, an der es den Schinken noch zu kaufen gab, bis sie die Bomben zerstörte und er in Vergessenheit geriet. In zwei Buchläden, einmal am Dom und Shakespeare in der Gaustraße, ist das dreisprachige erweiterte Büchlein erhältlich sowie in der Metzgerei Walz. Dort ist es als Geschenk besonders beliebt, angebotenen in einem Säckchen, welches Schinken und auch das Büchlein enthält. Selbst am Tag der Deutschen Einheit wird das würzige Geschenk an die geladenen Gäste gereicht.

Teilen
Vorheriger ArtikelArmare-Sportler gewinnen 7 Medaillen
Nächster ArtikelEngpass muss beseitigt werden
Seit Februar 2015 bin ich als freie Journalistin bei der Lokalen Zeitung tätig. Zuvor arbeitete ich nach meinem Informatikstudium viele Jahre als IT-Koordinatorin. Seit zwei Jahren bin ich als freie Journalistin im Deutschen Fachjournalistenverband (DFJV) akkreditiert. Die in vielerlei Hinsicht anspruchsvollen oder originellen lokalen Veranstaltungen motivieren mich bei Recherche und Verfassen meiner Artikel.