Die Wendeschleife am Schinnergraben wird voraussichtlich erst 2018 saniert, sodass die Straßenbahnfahrgäste weiter mit einem Provisorium leben müssen. Foto: Oliver Gehrig

Hechtsheim – Seit August 2016 ist die sanierungsbedürftige Wendeschleife am Hechtsheimer Schinnergraben aus technischen Gründen nicht mehr nutzbar. Seitdem müssen die Straßenbahnfahrgäste an der Endhaltestelle mit einem Provisorium leben und nicht behindertengerecht im Matsch aussteigen, da die Bahn nicht wenden kann und den eigentlichen Bahnsteig nicht erreicht. „In der Wendeschleife besteht die Gefahr der Entgleisung, wir sind davon genauso überrascht worden wie Sie“, sagte der zuständige MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof jetzt im Ortsbeirat. „Irgendwann ist das Gleis mal fertig, es ist über Jahrzehnte nichts gemacht worden.“ Der Straßenbahnbetrieb werde aber bis zur Endhaltestelle auf jeden Fall weiter aufrecht erhalten.

Eine kurzfristige Sanierung der Wendeschleife ist laut Erlhof nicht in Sicht. Der MVG seien wegen der Großbaustelle in der Bahnhofstraße, den Nachbesserungen zur Mainzelbahn und dem Bau der Trasse zum Zollhafen derzeit die Hände gebunden. Aus Kapazitätsgründen komme eine Sanierung daher erst im kommenden Jahr in Frage. Als kurzfristige Lösung soll im April oder Mai ein Provisorium für einen behindertengerechten Ausstieg ähnlich wie an der Wendeschleife am Bürgerhaus errichtet werden. Denkbar sei auch, dass stattdessen künftig die Türen an der Endhaltestelle auf der linken Seite öffnen. Das sei aber technisch aufwendig und nicht so einfach, wie es sich anhört.

Der Ortsbeirat zeigte Verständnis, mahnte aber zur Eile. „Der Ausstieg an der Linie 52 muss bald verbessert werden“, forderte Rupert Röder (Grüne). „Es ist ein unhaltbarer Zustand“, bekräftigte Ortsvorsteher Franz Jung (CDU). Er forderte den Einsatz der Schmieranlage in beiden Wendeschleifen, um das Quietschen zu bekämpfen. Außerdem fragte er, wann endlich das vorsintflutartige Prozedere am eingleisigen Abschnitt am Schinnergraben endet: Dort übergibt ein Fahrer dem entgegenkommenden anderen Fahrer ein Stück Holz, um dann freie Fahrt zu erhalten und weiterzufahren. „Es ist ärgerlich, es kann nicht so bleiben“, bekräftigte Geschäftsführer Erlhof. Die automatische Technik funktioniere derzeit aber nur zu 95 Prozent, was zu gefährlich sei. Die MVG arbeite an einer Lösung.

Ärger gibt es auch an der zweiten Endhaltestelle am Bürgerhaus, wo seit Wochen mehrere defekte Straßenbahnen stehen, die wegen der Baustelle in der Bahnhofstraße nicht zurück ins Depot fahren können. Wegen der Sprayergefahr hat die MVG sogar einen nächtlichen Wachdienst engagiert.

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