Zahlreiche Bürger gedachten dem Kornsandverbrechen vom 21. März 1945. Foto: Ralph Keim

REGION – Zahlreiche Bürger gedachten dem Kornsandverbrechen vom 21. März 1945. Die Feierstunde war nicht nur ein Rücklick, sondern auch ein Appell, in der Gegenwart für demokratische Werte einzustehen.

Am Vormittag des 21. März 1945 wollten sechs aus dem linksrheinischen Nierstein und Oppenheim stammende Zivilisten am rechtsrheinischen Kornsand mit der Fähre übersetzen, um nach Hause zu gelangen. Dabei handelte es sich um fünf „politisch missliebige“ Männer und eine als „die Jüdin“ bezeichnete Frau.

Am Rhein wurden aus Nierstein und Oppenheim stammende Nazis und Angehörige des Volkssturms auf Georg Eberhardt, Cerry Eller, Johann Eller, Nikolaus Lerch, Jakob Schuch und Rudolf Gruber aufmerksam. NSDAP-Funktionär Alfred Schniering genügten fadenscheinige Gründe, um gegen die Zivilisten das Todesurteil zu verhängen. Ihre Heimatdörfer vor Augen sahen die Unglücksseligen ihrem Tod entgegen. Per Genickschuss wurden alle ermordet. Die Leichen wurden im Kornsand in den Erdlöchern verscharrt, die die Opfer zuvor selbst ausheben mussten. Kurz darauf rückten die Amerikaner in Oppenheim ein.

Musiker der Riedstädter Musikwerkstatt umrahmten die Feierstunde, an der zahlreiche Politiker der Kommunen Trebur, Nierstein, Oppenheim sowie Kirchenvertreter teilnahmen. Volker Gallé, rheinhessischer Autor und Vorsitzender der Fördervereins des KZ Osthofen, hielt die Rede, in der er nicht nur die die Geschehnisse von damals skizzierte. Angesichts der politischen Entwicklungen in Russland und in der Türkei richtete er einen eindringlichen Appell, auch heute in der Gegenwart demokratische Werte zu verteidigen, wenn dies die Umstände erfordern. Danach legen die Teilnehmer der Gedenkfeier am Mahnmal rote Nelken nieder. Der Gedenkstein unweit des Rheins wurde zu Ehren der Ermordeten 1954 errichtet.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“