In der Kirche Mariae Himmelfahrt kann Tobias Keil so oft spielen, wie er will. Foto: Helene Braun

Laubenheim – Der große Erfolg beim Geburtstagkonzert des Laubenheimer Kirchenchors im letzten November hat Tobias Keil ermutigt, in diesem Jahr noch einmal ein solch großes Projekt zu wagen. Noch sucht einen Aufführungsort, Solisten und auch die aufwendige Werbung steht noch bevor. Warum nicht, der 20-Jährige Jurastudent kann es und ist wohl einer der talentiertesten Musiker in Mainz.

Wir treffen uns in der Kirche Mariae Heimsuchung. Da kann er Orgel spielen, so oft er will. Die Kirche ist dunkel und kalt, nur die Lampe an der Orgel brennt, die Tür unten ist abgeschlossen. Dann kann er sich besser konzentrieren. Für die Lokale Zeitung unterbricht er sein Spiel, aber an wenigen Klängen kann man schon erkennen: Er ist ein ganz Besonderer, einer der Herz und Verstand erreichen kann. Noch ist es die alte elektrische Orgel, mit der er vor sechs Jahren im Gottesdienst begann. Da trat der frühere Organist aus Altersgründen von seinem Amt zurück.

Pfarrer Gerold Reinbott wusste schon, was er an dem damals erst 14-Jährigen Laubenheimer hatte und übertrug ihm die Aufgabe. Für ihn freut sich Reinbott auch am meisten über die neue Orgel, für die lange gespart wurde und die jetzt im Bau ist. Auf dieser Fasen-Orgel, die nun in greifbare Nähe rückt, wird Tobias Keil am 2. Juli ein Konzert geben. Dafür hat er sich ein schweres, aber schönes Programm erdacht, „etwas, was zur Orgel passt und die Menschen mitnimmt.“

Tobias Keil ist der Jüngste von drei Geschwistern. „Ab fünf mussten wir zur Oma zum Klavierunterricht“, sagt Keil. Er glaubt, der Wettbewerb unter den Geschwistern habe einen Teil der Motivation ausgemacht. Doch kann das nicht alles gewesen sein. Mit neun Jahren lernte er noch Geige. Trompete hätte er auch okay gefunden, aber: „Ich wollte nicht immer rot anlaufen, deshalb die Geige.“ 2010 spielte er dann zum ersten Mal im Gottesdienst die Orgel und hatte dafür einen Crash-Kurs absolviert, holte aber die C-Ausbildung „Chorleitung und Organist“ in zwei Jahren am Kirchenmusikalischen Institut nach. Beruflich aber folgt er der Familientradition und studiert Jura. Nebenbei ist Tobias Keil auch in der Fastnacht musikalisch aktiv, auch das ist Tradition in der Familie Keil. Im Streichensemble der Musikschule Laubenheim ist Tobias Keil auch als Geiger, Gitarrist und Cembalo-Spieler verankert.

Was ihn berührt in seinem musikalischen Tun, ist weniger der Applaus, es sind die kleinen, feinen Dinge, die nur er zu bemerken scheint. „Man denkt, wenn man viel probt, kennt man die Literatur, aber im Konzert gibt es immer wieder Überraschungen und ich entdecke neue Aspekte.“ Oder mal etwas zu wagen: „Bei einem Decrescendo hatten wir die Lautstärke so runtergedreht, dass man selbst auf der Bühne kaum noch etwas hören konnte. Es war ein Risiko, doch wir kamen mit glänzenden Augen von der Bühne.“ An der Orgel schätzt er die tiefen Töne, die fand er schon immer cool. „Dann schwingt der Orgelkasten mit und man kann die Töne körperlich spüren.“ Die tiefsten und die höchsten kann nur die Orgel produzieren. Keil: „Man nennt sie ja auch die Königin der Instrumente.“ Und zum kommenden Projekt im November: „Diesmal wird es noch größer.“

Für das große Projekt am Jahresende mit dem Kammermusikensemble und dem Kirchenchor Laubenheim sucht Tobias Keil noch Sänger und Sängerinnen, auch Laien sind herzlich willkommen.

Infos bei Tobias Keil, 07_tobi@web.de.

Teilen
Vorheriger ArtikelSportbund, Gemeinde und Turnverein trauern um Sportfunktionär Günter Beck
Nächster ArtikelGefahrenstelle beseitigen
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.