Start Editorial_Weiss Familienmensch oder Glücksstreber? – Von den „Ichs“

Familienmensch oder Glücksstreber? – Von den „Ichs“

Wenn sich heute jemand bei uns bewirbt, kann ich mehr oder weniger sein Leistungsspektrum dem Zeugnis entnehmen. Über die ersten Wochen und Monate zeigt sich dann, ob dieser neue Mitarbeiter hält, was er so blumig verpackt versprochen hat. Gut, und irgendwann ist es entschieden, dass wir gemeinsam einen Weg beschreiten.

Tagein, Tagaus verbringe ich dann Lebenszeit mit dieser Person und lerne nach und nach den Menschen kennen. Doch ein Mensch bringt eben mehrere „Ichs“ mit ins Unternehmen als nur das seines Arbeitslebens. Der Familienmensch, der im Verein Engagierte, der Sorgenmensch, der Glücksstreber und viele mehr, alle mit vergangenen Lebenserfahrungen gespickt. Die Prägungen der unterschiedlichen „Ichs“ überlagern dann oftmals den Mitarbeiter, den ich glaube, vor mir zu haben. Denn alles, was um ihn herum ist und war, hat Auswirkungen auf Konzentration, Engagement, Konfliktbewältigung und vieles mehr, was so einen Arbeitsplatz ausmacht.

Annehmen ist hier gefordert. Annehmen nicht nur des so wortreich beschriebenen Leistungskataloges, sondern auch all der anderen Ich-Varianten, die sich alle gegenseitig beeinflussen. Das ist ein gegenseitiger Lernprozess, der nie endet. Annehmen des Andersseins erschließt aber auch neue Welten, neue Sichtweisen und damit die Fähigkeit zur Toleranz, da wo wir nun wirklich anders gestrickt sind. Das Muster und der Mix der Farben gestaltet unser Leben und unser Miteinander mit anderen Menschen.

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