Beim Repair-Café in der Windmühlenschule gibt es auch einen KLeiderflohmarkt. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Die Gesellschaft wird mehr und mehr zur Wegwerf-Gesellschaft. Kostet die Kaffeemaschine nur 20 Euro und gibt nach drei Jahren den Geist auf, kommt sie halt auf den Müll. Das gleiche gilt für den Drucker, der mittlerweile so preiswert geworden ist, dass sich eine Reparatur eigentlich nicht lohnt. Also ebenfalls neu kaufen – in der Hoffnung, dass er ein wenig länger hält. Und genau das streben nicht wenige Hersteller gezielt an: Das defekte Gerät soll nicht mehr repariert, sondern entsorgt werden. Der neue Ersatz ist ja nicht mehr so teuer.

Doch die vielerorts gegründeten Repair-Cafés setzen dem einen Gegenpol: Reparieren ist grundsätzlich besser als neu kaufen, so die Botschaft. Besser für den Geldbeutel und besser für die Umwelt. Vor diesem Hintergrund wurde in Mainz 2013 beim Evangelischen Dekanat Mainz ein Repair-Café gegründet, das sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut.

Nicht gleich wegwerfen, sondern erst einmal wieder repieren – das ist die Philosophie der vielen Repair-Cafés, wie das des Evangelischen Dekanats. Foto: Ralph Keim

Freitagabend in der Windmühlenschule in der General-Oberst-Beck-Straße: Hier treffen sich Fachleute, Tüftler und Bastler, um ehrenamtlich beim Ausbessern und Reparieren zu helfen. Sie nehmen Kaffeemaschinen, Bügeleisen, Haarföns und Computer auseinander, setzen Lötkolben, Schraubenzieher, Bohrmaschine und auch mal ein Hämmerchen an. Das ganze wieder zusammengesetzt, kurz zum Test eingeschaltet – und der Besitzer freut sich.

Im Laufe der Jahre hat das Repair-Café, das in der Regel an jedem letzten Freitag im Monat geöffnet hat, das Angebot immer mehr erweitert. So können jetzt auch Fahrräder wieder auf Vordermann gebracht werden. Und seit neuestem werden auch hölzerne Gegegnstände angenommen. Außerdem es gibt einen Flohmarkt nicht nur für gebrauchte Kleidung, sondern auch für scheinbar ausgediente Regenschirme. Und draußen vor den Werkräumen im Keller der Windmühlenschule stehen Knabbereien und Snacks, an denen man sich bedienen kann. Denn in der Gemeinschaft macht das Schrauben, Feilen, Ölen und Zurechtbiegen noch mal so viel Spaß.

Repariert wird kostenlos und ohne Garantie oder Gewährleistung. Lediglich Ersatzteile müssen die Besucher des Repair-Cafés selbst bezahlen. Im Repair Café werden auch gut erhaltene Spielsachen, Bilder- und Kinderbücher angenommen. Sie werden an Kinder aus Familien weitergeleitet, die mit wenig Geld auskommen müssen.
Das Repair-Café in der Windmühlenschule, Generaloberst-Beck-Straße 1, hat normalerweise am letzten Freitag im Monat von 18 bis 20.30 Uhr geöffnet, als nächstes allerdings bereits am 20. April. Weitere Informationen und Termine unter www.repaircafeMainz.de oder auf der Facebook-Seite RepairCafeMainz. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Zudem sucht das Repair-Café weitere ehrenamtliche Helfer, die allerdings keine zwei linke Hände haben sollten, sondern schon ein gewisses handwerkliches Interesse und Geschick.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“