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Bilder der Ausstellung „Trotz alledem“ erinnerten an die ehemaligen Häftlinge und VVN-Gründer. Foto: Helene Braun

Mombach – Auf dem Mombacher Waldfriedhof, in der Nähe des Kriegsgräberfeldes, erinnert ein von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) im Jahre 1948 errichteter Gedenkstein an alle Opfer der faschistischen Konzentrationslager. Zum 70. Jahrestag der Errichtung erinnerte der VVN an die Grundsteinlegung und Einweihung des Denkmals und gedachte der elf Millionen Toten aller Nationen. Anne Waninger, Sprecherin der VVN-BdA – mittlerweile ist die Vereinigung durch den Bund der Antifaschisten erweitert – hob im Beisein der Landesvorsitzenden Sibylle Meisenzahl-Michel, Vertretern der Stadt Mainz mit OB Michael Ebling und der jüdischen Gemeinde die Bedeutung des Ehrenmals hervor und wieviel dieser Stein mit der sich wandelnden Gegenwart zu tun hat.

Der aktuelle Rechtsruck, die Gewalt gegen Verfolgte und Schwächere und die Unbarmherzigkeit gegenüber den Opfern seien Ausdruck von „Defiziten in unserem System, das wir genauer untersuchen müssen.“ Der Zusammenschluss von VVN und BdA indes sei kein Zufall: Die Ursprünge der VVN sind bis in die KZs und Zuchthäuser zurückzuverfolgen. Dort entwickelten eingekerkerte Hitler-Gegnerinnen und -Gegner Pläne für ein von den Nazis befreites, antifaschistisches, demokratisches und friedfertiges Deutschland, als andere noch „Sieg Heil!“ schrien. Die Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandes, die Überlebenden der nazistischen Konzentrationslager gründeten kurz nach Ende des Krieges die VVN.

Die musikalische Umrahmung übernahmen „Klezmer´s Techter“. Foto: Helene Braun

1948 wurde ein Dokument in den Stein eingemauert und von Vertretern unterschiedlichen Glaubens und politischer Überzeugung unterschrieben. Eine neue Ära der Völkerverständigung sollte entstehen, doch der antifaschistische Grundkonsens bröckelte bald und wich alten und neuen Konstellationen im Kalten Krieg und führte wiederum zur Ausgrenzung der Verfolgten des Naziregimes. Als Beispiele nannte Anne Waninger die Verweigerung der Anerkennung des zugefügten Leids sowie des Rechts auf Entschädigung. 1955 folgte sogar ein Verbot der VVN in Rheinland-Pfalz.
Als Symbol befand sich auf diesem Gedenkstein ursprünglich ein roter Winkel – Kennzeichnung für die politischen Häftlinge in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Infolge des politischen Klimas während des Kalten Krieges wurde im Jahre 1962 dieser rote Winkel auf Betreiben der Landesregierung durch die Stadtverwaltung Mainz von dem Gedenkstein entfernt und durch ein Kreuz ersetzt. Dazu Anne Waninger: „Damit wurde das Kreuz erneut als Herrschaftssymbol missbraucht.“ Wieder befestigt als Häftlingszeichen, wurde der Winkel später erneut entfernt und erst 1994 wieder in der jetzigen Form provisorisch angebracht.

Bei Umweltdezernentin Katrin Eder bedankte sich Waninger für die Reinigung und Instandsetzung des Steins, an dem Bilder der Ausstellung „Trotz alledem“ an die ehemaligen Häftlinge und VVN-Gründer erinnern. Nun soll noch eine Stele die bewegte Geschichte des Steins dokumentieren.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.