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Uschi Presser-Saelzler in ihrem Haus, das wie eine große Galerie wirkt. Foto: Helene Braun

Gonsenheim – Ohne die Kunst kann sie nicht leben, ohne Musik schon gar nicht. Ihr Haus ist voller Bilder. Und früher äußerte sie ihre Gedanken im Ausdruckstanz zu lauter klassischer Musik. Was so scheinen mag wie das Dasein der Grille aus der Fabel, die den Sommer über nur sang, ist im Rückblick ein Leben für die Kunst, das ja, aber in voller Verantwortung und Liebe für die ihren und für sich. Am 9. Mai wird die Künstlerin Uschi Presser-Saelzler 85 Jahre alt. Und manchmal distanziert sie sich von sich selbst, betrachtet heute ihre Bilder mit „fremden Augen“ und sagt sich: „Das hast du gut gemacht.“ Die Lokale Zeitung sprach mit ihr und erfuhr dabei auch so manches über die Gedankenwelt und Lebensart der Malerin.

Schon ihre Eltern waren der Kunst zugewandt. Der Vater Architekt, die Mutter künstlerisch interessiert, wuchs Uschi Saelzler in Oggersheim auf und lebt seit 1950 in Gonsenheim. An den Wänden im ganzen Haus und auf Staffeleien im Atelier findet man ihre Werke von, die sie in der traditionellen Technik der Ei-tempera malt. Der schwungvolle Pinselstrich verleiht allen Werken eine Art rhythmische Musikalität. Ein Kritiker habe sie einmal eine impressionistische Expressionistin genannt, vielleicht ein Versuch, das zu beschreiben, was dem Betrachter an Leuchtkraft und Ausdruck so intensiv entgegenkommt. Jedes Bild ruft Empfindungen hervor und lässt die Fantasie wandern. „Ich empfinde ein Motiv sehr intensiv in natura, ich arbeite nicht nach Fotografien“, erklärt die Künstlerin ihre spezielle Herangehensweise. „Es gehen viele Gedanken dem Bild voraus.“ Dann fertigt sie eine Skizze an und arbeitet im Atelier das Motiv aus. Sie skizziert auch gerne in Konzerten: „Ich sehe die Musik in Formen.“ So entstehen in farbiger Vielfalt „Hymnen an die Lebensfreude“. 600 waren es bislang, 400 davon hat sie verkauft.
Lebensfreude, ein Begriff, der so gut zu Uschi Presser-Saelzler zu passen scheint. Doch offenbart sie auch: „Ich wirke fröhlich, doch bin ich im Grunde ein sehr ernsthafter Mensch.“ Seit 1950 in Mainz hielt es sie dort nicht lange. Sie wollte nach Rom oder Paris zu den großen Akademien. So gelangte sie an die Accademia delle belle arti in Rom, wo ein Professor sie als die einzige mit Talent beschrieb, an die Académie de la grande Chaumière in Paris und studierte an der Landeskunstschule Mainz. Studienreisen führten sie durch Europa, nach Amerika, Kanada, Ägypten und Russland. Ungezählte Ausstellungen hat sie bestückt.

Und ungezählte Dombilder hat Uschi Presser-Saelzler geschaffen,

Frueher wurde Uschi Presser-Saelzler die Mainzer Dommalerin genannt. Foto: Helene Braun

wurde sogar früher die Mainzer Dommalerin genannt. Da sind die Porträts, ausdrucksstark und in die Seele der Abgebildeten blickend. Und man staunt über so manches „Selbstporträt“. Dabei habe sie sich nie selbst gemalt, sagt Presser-Saelzler, „sondern immer meine Gedanken.“ Vielleicht sehen ihr die Porträts deshalb so ähnlich.

Die beiden Söhne Claudio und Manuel als Kinder sieht man im Wohnzimmer der Künstlerin, den dunklen Gonsenheimer Wald in einer anderen Etage und die Natur, wie sie sich entwickelt, in vielen anderen Bildern. „Bäume sind für mich wie Menschen, die haben eine eigene Aussage“, so Presser-Saelzler.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.