Das Männerballett von SGL als „Gladiatoren“. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Laubenheim – „Schwarze Gesellen Laubenheim“ sind ohne die Hinweisvokabel „Karneval“ im Namen Fastnachter wie es das närrische Meenz gern hat. Politisch-literarisch, immer ganz nah an der Volksseele und mit dem kritischen Blick über den eigenen Teller hinaus. Die Sitzung in der Narhalla „Am Ried“ vergeht wie im Flug. Das Lokalkolorit bricht immer wieder durch, den Laubenheimern bereitet das Zuhören Spaß. Das Eröffnungsspiel an einer Bushaltestelle irgendwo in Laubenheim: Der Bus ist weg, der Ortsvorsteher radelt vorbei, alles so alltäglich, alles so bekannt, alles so gut.

Im Protokoll singt Peter Häffner: „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber diese GroKo nicht“. Ehe für Alle? Na ja. „Aber warum heißt es Ehe und nicht Ihi – Individuum heiratet Individuum?“ Für den Fall empfiehlt Häffner: „Ein Ulker heiratet Schwarze Gesellin.“

Applaus und Jubelrufe schwappen wie Wellen dem „Oberstufenschüler“ Nick Stenner entgegen. „Wenn alles schläft und einer spricht, /den Zustand nennt man Unterricht.“ Der „Rentner“ Klaus Schmitt wirft einen kritischen Blick auf das, was so in Laubenheim geschehen ist. Zum Ärztehaus, das fast schon in Weisenau steht, komme ein Laubenheimer wohl: „Am schnellsten wie ich finde über Lerchenberg und Finthe.“

Nachwuchsredner und „Oberstufenschüler“, Nick Stenner. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Still wie in der Kirche ist es in der Narhalla beim Vortrag des weisen Einsiedlers „Drewello“ (Wolfgang Drewello). Der frühere evangelische Pfarrer von Laubenheim findet: „AfD wäscht keine schmutzige Wäsche, sie zieht sie an“. Deren Sprechen imitiere Nazi-Parolen „Doch deren Sprechen folgte Tat“, warnt Drewello. Sein katholischer Kollege, der Pfarrer von Laubenheim, Gerold Reinbott unterhält das Publikum mit Kokolores. Sein Doktor meint zu ihm: „Ich glaube, Sie haben kein Gramm Fett verloren,“ Reinbott: „Ich bin kein Verlierertyp.“ Außerdem: Drei Minuten Lachen würden 30 Minuten Laufen ersetzen. „Jetzt stelle ich mich auf die Straße und lach‘ die Jogger aus.“ Gesanglich begeistern das Publikum die „Rabensänger“ mit selbst gedichteten Texten, großer Portion Lokalkolorit und einem Lied für den Ehrenvorsitzenden, Horst Schwertel. Jener trägt später nach Art des Couplets-Sängers Zeile zum Ortsgeschehen bei (Begleitung: Koni Schaefer). Nach dem letzten Ton erhebt sich das Publikum zum Applaus. Zum außerordentlichen Erfolg der Sitzung – an den langen Applauszeiten gemessen – tragen neben den beiden Damen- und Herrenballetten des SGL bei: Max Trossbach, Johannes Lammersdorf und Christian Merten (Trigespräch), der „Schnutedunker“ Helmut Mattes, acht „Bezaubernde Jeannies“ vom Laubenheimer Kirchenchor (Leitung Tobias Keil) und „Se Tuu Män Bänd“ (Matthias Keil und Jens Teschner).

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