Anne Jaeger hat Fotos mitgebracht von den Missstaenden in fast allen Bereichen, dem Wohnen und der Armut. Foto: Helene Braun

VG Bodenheim – Bekannt sind sie durch ihre ausgewählten Kabarett- und Kulturvorstellungen. Wenn die Vorsitzende der Kulturfrauen der Verbandsgemeinde Anne Jaeger aber von den sozialen Projekten ihres Bodenheimer Vereins und seinen Kooperationspartnern erzählt, fragt man sich nicht, warum sie das tut. So wie sie spricht, hat man den Eindruck, sie tut es, weil es nötig ist. Zum Projekt in Blaj/Rumänien, bei dem der Verein ein Therapiezentrum für behinderte Kinder der Caritas Deutschland unterstützt, sagt sie: „Mit vier Prozent ist die griechisch-katholische Kirche eine Minderheitenkirche in Rumänien und auf externe Hilfe angewiesen.“

Anne Jaeger hat Fotos mitgebracht, Fotos von den Missständen in fast allen Bereichen, dem Wohnen und der Armut. Ein Ofen, das Holz daneben gestapelt, vier Personen leben mit einem Schlafraum und einer Küche. Anne Jaeger sagt: „Wenn man einmal dort war und das gesehen hat, lässt es einen nicht mehr los.“ Gerade sind wieder etliche Pakete in die Region gegangen und zu den „Patenkindern“, Kinder und Jugendliche, die der Verein zum Teil betreut. Die Idee mit den Patenkindern kam Anne Jaeger schon 2004.

„Als ich 2004 Präsidentin beim Inner Wheel Club Mainz wurde“, erzählt Anne Jaeger in ihrem schmucken Heim in Harxheim, „habe ich nach Auslandsprojekten gesucht und bin über die Caritas Mainz auf die Caritas in Siebenbürgen gestoßen, die so einiges in Rumänien leistet.“ Das erste Patenkind Marius beispielsweise ist heute 27 und hat seine Schulbildung längst abgeschlossen, aber der Kontakt bleibt. Hier gibt es mit der 15-jährigen Madalina bereits ein weiteres Patenkind.

Aus dem Verein Kulturfrauen wurde einige Jahre nach der Gründung ein gemeinnütziger Verein, denn „der kulturelle Auftrag hat mir nicht gereicht“, so Jaeger. Der Verein gab das Grundkapital für den Aufbau des Therapiezentrums, damit öffentliche Gelder überhaupt fließen konnten. Nach dem Patenkind Amira gibt es auch hier mit der 16-jährigen Diana ein zweites Patenkind. Da Anne Jaeger sowohl Mitglied bei den Kulturfrauen als auch im Inner Wheel Club Mainz ist hier ein gutes Netzwerk entstanden.

Als Mitglied des Vorstands des Inner Wheel Distrikt 86, der mit seinen 43 Clubs eine Ausdehnung von der Loreley bis an den Bodensee und von Ludwigsburg bis an die Saar hat, ist sie im letzten Jahr für ihren Distrikt mit 20 Freundinnen aus unterschiedlichen Clubs nach Rumänien geflogen. Das Herz vieler Freundinnen wurde erwärmt und so sind weitere Projekte entstanden. „Wir machen keinen Unterschied, von welcher Organisation das Patenkind ist, auch die Ex-Patenkinder bekommen immer noch Geschenke wie die aktuellen Patenkinder“, sagt Anne Jaeger. Und so werden sowohl zu Ostern als auch zu Weihnachten Pakete für alle Familien gepackt.
„Das geht alles nur mit einem guten Netzwerk“, weiß Anne Jaeger und dafür hat sie gesorgt. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit der Humanitären Hilfe in Windesheim, die die Pakete bei den regelmäßigen Transporten mitnimmt nach Rumänien. „Es sind Dinge, die sich die Menschen entweder gar nicht leisten können oder an denen Mangel herrscht. Manche leben nur von Milch und Ziegenkäse, den sie an Freunde verkaufen.“
Zudem gibt es inzwischen viele Menschen in der VG Bodenheim, die Kleidung, Spielsachen, Fahrräder etc. bei Anne Jaeger für die Menschen in Rumänien abgeben. Auch hier ist weiterhin Bedarf.
Anne Jaeger denkt auch darüber nach, das erste Patenkind der Kulturfrauen Amira, die bereits sehr gut deutsch spricht, zu sich nach Hause einzuladen, damit sie die deutsche Kultur kennenlernt und eventuell ein Praktikum absolvieren kann.
Die Armut ist eine Sache, die sozialen Verhältnisse sind eine andere. Wohnungen ohne Badezimmer sind der Alltag. „Die Menschen auf dem Land geben ihre Kinder in die Städte, damit sie eine Schule besuchen können.“

Neben den Rumänienprojekten betreuen die Kulturfrauen auch Projekte in Mainz und Rheinhessen wie zum Beispiel das Mainzer Hospiz und die Mädchenwohngruppe von femma. All diese Projekte werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern von einzelnen Mitgliedern persönlich betreut. Im Verein hat jede Kulturfrau ihre eigenen Aufgaben nach Können und Neigung. Anne Jaeger sagt: „Wenn jemand zu uns passt und sich vorstellen kann, mit uns zusammen zu arbeiten, freuen wir uns sehr.“ Neue Mitglieder sind uns willkommen!
Mehr Informationen finden Interessentinnen unter www.kulturfrauen.de oder bei einem persönlichen Anruf bei Anne Jaeger unter 06138-7576.
Auch die nächste Veranstaltung mit H.G.Butzko am 3. März im Bürgerhaus Dolles ist eine gute Gelegenheit, sich die Arbeit der Kulturfrauen einmal persönlich anzuschauen.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.