Die KKR hat sich gewandelt. Am Bundesweiten Vorlesetag etwa konnte man die Schueler hochmotiviert erleben. Foto: Helene Braun

Gonsenheim – Die Realschulen plus haben es zurzeit nicht leicht, gerade die Kanonikus-Kir-Realschule plus kämpft um ihr Image. „Wir sind auf dem spannenden Weg, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Wir müssen unser Ansehen verbessern“, sagt Lehrer Tobias Feith. Der Tenor sei: Das Kind muss aufs Gymnasium und Abitur machen. „Wir wollen zeigen, dass die Kanonikus-Kir-Realschule (KKR) eine gute Alternative darstellt.“ Dass die Schüler das zu schätzen wissen, konnte man am bundesweiten Vorlesetag prima feststellen.

Gute Fachkräfte brechen weg und werden dringend gesucht. Nach dem Aussetzen der Hauptschule wird die Realschule als Resteschule angesehen. Dabei hat die KKR einiges zu bieten und hat auch viel verändert. Fachabitur kann man dort auch absolvieren dank der FOS. Erst kürzlich hat sich die KKR das Zertifikat „Kulturschule“ verdient. Das gibt es bundesweit nur ganz selten. In Zusammenarbeit mit Künstlern wird künstlerische Gestaltung stets in den Unterricht einbezogen. Kulturelles Lernen in allen Bereichen und kreative Unterrichtspraxis bedeutet das im Klartext. „Man kann geometrische Figuren auch tanzen“, gibt Margret Bamberger, die das Leitungsteam um Rektorin Uta Winternheimer als 2. Konrektorin seit kurzem verstärkt, ein Beispiel.

„Drei, zwei, eins . . . “, startet Tobias Feith leise den Countdown vor einer 7. Klasse. Die Kinder sind sofort still, stehen auf und sagen wie einst im Chor: Guten Morgen, Herr Feith. Beim Vorlesen sind sie engagiert, Nikolai erklärt als erster fachmännisch, was es mit dem Buch, aus dem er lesen wird, auf sich hat. „Wir brauchen feste Regeln“, ist Rektorin Winternheimer überzeugt. Die Schüler kommen aus sehr unterschiedlichen Familien, sind zum Teil verhaltensauffällig. Gerade in dem Bereich hat die Schule schon gute Erfolge erzielt. „Für die Hauptschullehrer war das der Alltag, aber wir mussten uns erst umstellen“, fügt Konrektor Lamb an.

Sehr viel habe man in den letzten zwei Jahren auch in Berufsorientierung investiert. „Wir haben sehr viele Firmen, die uns für eine Bildungspartnerschaft zur Verfügung stehen.“ Die Krönung dessen sei die Talent-Company der Strahlemann-Stiftung, die die Verbindung zur Wirtschaft und eine sorgfältige Berufswahl sichert. Am 13. Dezember findet der Festakt dazu statt. Zur Schulsozialarbeit ist nun auch ein Therapiehund dazugekommen. „Die Klassen reißen sich um Joschi“, so die Schulleiterin der Ganztagsschule. Durch die Schulsozialarbeit haben auch Flüchtlingskinder hier eine Chance.

Und vor allem muss ja auch der Ansatz stimmen, und der geht so: „Jedes Kind hat ein Talent und wir sind die Fachleute, die das herausfinden müssen. Reine Wissensvermittlung ist nicht mehr zeitgemäß“, beschreibt Winternheimer die individuelle Behandlung eines jeden einzelnen. „Wir müssen die Schule neu denken.“

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.