Autor Matthias Boosch stellte seine Kurzgeschichten beim Verein ZMO vor. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Mit rund zwei Millionen Einwohnern zählt die baltische Republik Lettland zu den kleineren Staaten in Europa. Bereits seit 2004 gehört der geografisch mittlere der drei baltischen Staaten zur Europäischen Union. Einen Einblick in die Kultur des Baltikums gab jetzt der Bad Schwalbacher Autor Matthias Boosch. Der 35-Jährige stellte seine „Lettlandgeschichten“ bei einer Lesung vor rund 20 Gästen beim Bretzenheimer Verein „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) vor. Für seine Lettlandgeschichten hatte Boosch bereits vor zwei Jahren den Literaturförderpreis der Stadt Mainz erhalten.  

„Wir wollen nicht nur eine Verbindung mit der Vergangenheit schaffen wie bei unserer vorigen Lesung, sondern auch einen Blick auf die aktuelle Situation in Osteuropa werfen“, sagte ZMO-Vorsitzende Jutta Hager zu Beginn der Lesung. Schnell wurde deutlich, dass es sich bei den „Lettlandgeschichten“ um skurrile Kurzgeschichten mit einer eigenartigen Situationskomik handelt. Boosch hatte selbst ein Dreivierteljahr in Lettland gelebt. „Das sind halbbiografische Geschichten mit einem wechselnden fiktiven Anteil“, so der Autor. In „Black Friday“ schildert Boosch den Besuch eines lettischen Black-Metal-Abends mit harten Jungs und Livemusik. Schlägereien sind an der Tagesordnung, und bei der Zugabe einer Band wird der Schlagzeuger mit Bier übergossen. Überraschenderweise entwickelt sich der Metal-Abend schließlich zu einem Date mit einem schwulen lettischen Metaler. Boosch: „Interessant, wie sich viele kleine Welten in der großen Welt verbergen, von denen kaum jemand etwas ahnt.“  

In der zweiten Geschichte „Die Hochzeit“ geht es um die Fahrt über Stock und Stein zu einer lettischen Hochzeitsfeier. Zunächst geht es mit der Straßenbahn, dann mit einem kaputten Fahrrad und schließlich per Anhalter in einem uralten Auto aufs Land. Da dient schon mal eine Strumpfhose als Ersatz für einen kaputten Keilriemen. Zwischendurch bleibt das Auto im Matsch stecken und muss befreit werden. Boosch und seine Begleitung erreichen schließlich mit reichlich Verspätung und schlammiger Kleidung die Hochzeit, was von den fein gekleideten lettischen Hochzeitsgästen und dem Brautpaar mit Gelächter quittiert wird. Von den ZMO-Zuhörern gab es freundlichen Beifall.