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Oppenheimer Stadtbürgermeister und Bundestagsabgeordneter für die SPD: Marcus Held. Foto: Ralph Keim

OPPENHEIM – Am 24. September wurde Stadtbürgermeister Marcus Held (SPD) erneut in den Bundestag gewählt. Diesmal muss er allerdings auf den Oppositionsbänken Platz nehmen. Wir sprachen mit dem Bundes- und Stadtpolitiker Held über die AfD, SPD-Frust und kommunale Politik.

Herr Stadtbürgermeister, wie haben Sie den Abend der Bundestagswahl erlebt?

MARCUS HELD: Als eine Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Erstmals haben die früheren Volksparteien zusammen nur noch knapp über 50 Prozent der Stimmen. Und eine Partei zieht in den Bundestag ein, deren Gedankengut uns gerade vor dem Hintergrund der Geschichte allen Angst machen sollte. Das erinnert mich alles sehr an Weimar, leider!

Was hat Sie mehr geschockt: Das schlechte Abschneiden der SPD oder der Wahlerfolg

der AfD?

MARCUS HELD: Beides! Mit dem Ergebnis der eigenen Partei kann man natürlich überhaupt nicht zufrieden sein. Die Arbeit der SPD der letzten vier Jahre ist beim Wähler offenbar nicht angekommen. Deshalb ist es wichtig das Profil jetzt in einer neuen Rolle zu schärfen. Aber das starke Abschneiden der AfD muss uns große Sorgen bereiten. Alle Demokraten müssen sich zum obersten Ziel setzen, dass wir die unzufriedenen Bürgerinnen und Bürger wieder zurück holen und glaubhaft machen, die Themen auch anzugehen, die die Menschen für sich und ihr Leben sehen. Auch wenn es häufig sehr subjektive Empfindungen sind, müssen wir uns damit im Einzelnen auseinandersetzen.

Wie bewertet es der SPD-Abgeordnete Held, wahrscheinlich in die Opposition gehen zu müssen?

MARCUS HELD: Wir müssen nicht wahrscheinlich in die Opposition. Wir werden es tun. Das haben wir als SPD bereits am Wahlabend klar kommuniziert. Insofern bietet das die Möglichkeit, inhaltlich einen Neuanfang zu machen und den Menschen klar zu erklären, welche Politikansätze wir wählen möchten und wie sie sich von anderen Parteien unterscheiden. Das ist wie ich finde, ein sehr wichtiger Schritt, in die Opposition zu gehen.

Sie selbst erleben wegen laufender Ermittlungen zum Verdacht der Untreue auch persönlich unruhige Zeiten. Gelingt es Ihnen, dennoch die Politik beiseite zu schieben und wenigstens ab und zu kurz abzuschalten?

MARCUS HELD: Kleine Pausen und Ruhephasen benötigt jeder Mensch, und diese sollte man sich auch in unruhigen Zeiten einräumen. Gerade während des Wahlkampfs gab es aber faktisch keine Möglichkeit des Innehaltens, das ist jetzt eher wieder möglich.

Spielen Sie manchmal mit dem Gedanken, der Oppenheimer Stadtpolitik den Rücken zu kehren?

MARCUS HELD: Dafür gibt es keinen Grund. Die Kommunalpolitik ist für mich eine wichtige Säule und die dort gemachten Erfahrungen versuche ich auch in den kommenden vier Jahren in die Arbeit in Berlin einzubringen.

Ungeachtet der Probleme: Wie leicht oder schwer fällt es, von der Oppenheimer Stadtpolitik zur Bundespolitik umzuschalten und umgekehrt?

MARCUS HELD: Meine persönliche Hauptaufgabe ist meine Abgeordnetentätigkeit für das südliche Rheinhessen in Berlin. Kommunalpolitik ist daneben ein Ehrenamt, das ich in Oppenheim und der VG Rhein-Selz zusammen mit vielen ausführe. Nur im Team ist man in der Lage,  die täglichen Herausforderungen einer Kommune zu stemmen. Deshalb kann ich die Aufgabe des Stadtbürgermeisters nur durch die enorme Hilfe der Beigeordneten und der Beauftragten ausführen, wofür ich allen herzlich danke.

Das Interview führte Ralph Keim.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“