Teilen
Der Pianist, Komponist und Pädagoge Andreas Hertel unterrichtet auch in Laubenheim. Foto: Helene Braun

Laubenheim/Wiesbaden – Solo und mit seinem Trio feiert der Jazz-Pianist und -Komponist Andreas Hertel mittlerweile Erfolge in ganz Deutschland. Dennoch kann man ihn – wie schon vor 20 Jahren – einmal in der Woche in Laubenheim antreffen, denn noch immer unterrichtet der Ausnahmekünstler in der Musikschule Hechtsheim in der Laubenheimer Zukunftstraße. Sein bester Jazz-Schüler hat schon mehrere Preise gewonnen, während Hertels neue CD „Keepin` the Spirit“ mit dem Trio und Feature-Guests wie Saxophonist Tony Lakatos oder Dusko Goykovich, der lebenden Jazz-Legende, für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde. „Dass er auf meiner CD mitgespielt hat, ist ein Traum“, sagt er. Mit Andreas Hertel am Piano, „Lady Bass“ Lindy Huppertsberg und Drummer Jens Biehl hat das Trio sowieso schon eine Traumbesetzung aufzuweisen. 

Balladen und meditative Stücke findet man auf dem Solo-Album „Only trust your Heart“. Seit langem ist die Zen-Meditation Teil von Andraes Hertels Leben. Diese Geisteshaltung bilde auch die Grundlage für die melodischen kontemplativen Stücke. „Diese Haltung möchte ich in der Musik transportieren“, sagt Hertel. „Die Leute hören zu und sind oft auch sehr berührt von meiner Musik, das freut mich besonders.“ Gospel und Blues, Soul und Jazz und Groove vereinigen sich auf dem Album „Rhythm of my Soul“ mit der Band „Groove Jazz Fanatics“. Auch hier hat Hertel alle Stücke selbst geschrieben. Die solide Ausbildung ist dem studierten Jazz-Pianisten wichtig, die Grundlage, aus der heraus er seine Stücke bewusst arrangiert. „Jeder einzelne Ton sollte einen Sinn und eine Bedeutung haben.“ 

Die neuen CDs und seine Bücher hat Hertel mitgebracht zum Pressetermin. Im Verlag Doblinger Wien erschienen sind „Let´s play Jazz“, eine Einführung in die Jazz-Stilistik und „Easy Going“ mit einfacheren Pop-Stücken für Schüler. Stolz ist der Musiker auch auf seine Mitarbeit beim „German Book“ aus der NIL-Edition Bremen, das Stücke von Hertel und hochkarätigen Kollegen enthält. In Wiesbaden, wo Hertel auch lebt, unterrichtet er Privatschüler mit Schwerpunkt Jazz, und im Taunus hat er die Musikschule einer Grundschule mit aufgebaut. Hier führt er Schüler in Ensembles. Bach, Mozart und Chopin, mit den Klassikern hat Hertel als Kind begonnen und zu ihnen bekennt er sich immer noch. Genauso will er zeitlose Musik komponieren.  

„Die Stücke entstehen meistens beim Improvisieren“, gibt Andreas Hertel preis, aber es könne auch passieren, wenn er nicht am Klavier sitzt. „At least, you’ve got a Heart to give“ beispielsweise entstand nach der Text-Idee für den Song-Titel. Andere, sagt Hertel, „schreien geradezu nach einem Text, aber das ist noch in der Entstehung.“ Vielleicht erwarten die Fans nun auch bald Stücke mit Gesang. Aber ob Hertel selbst der Sänger sein wird, ist noch völlig unklar. Immerhin war er früher Schauspieler. Ausschließen will Hertel gar nichts. „Ich habe immer 1000 Ideen im Kopf.“ Und so klingt Hertel-Jazz eben nach Hertel, melodisch ansprechend. Und wenn er damit Jazz-Konventionen sprengt, nimmt er sich das heraus. „Jeder muss spielen, wie er ist. Es kommt auch auf Ehrlichkeit an.“ Hertel sagt: „Ich will die Menschen mitnehmen, indem ich mit Gefühl und Herz spiele und ich will die kreative Energie intuitiv fließen lassen und so mit anderen kommunizieren. Bei meiner Musik müssen Intuition und Logik in Einklang stehen.“ 

Hertel komponiert von forschem Straight-Ahead-Swing über gefühlvolle Balladen bis zu hitverdächtigen groovigen und bluesigen Themen. Beim Publikum hinterlässt die Musik eine entspannte positive Grundstimmung. Das kann man in jedem Konzert erfahren. Hertel selbst will Spaß haben beim Spielen und das vermittelt er ebenso seinen Schülern. „Das Gefühl, dass ich innerlich weiter gekommen bin, spiegelt sich in meiner Musik wider.“ Hertel nutzt für sich die Verbindung von Einklang in geistigem Weg und dabei doch „mitten in der Welt“ zu sein. Ehrlichkeit und Authentizität beim Komponieren, darauf legt Hertel größten Wert, erwachsen daraus doch Kraft, geistige Tiefe und Niveau. „Wenn ich mich beim Musikmachen völlig vergesse, spielt die Musik sich fast selbst, dann kann es geschehen, dass ich etwas kann, was ich vorher nicht konnte“, formuliert der studierte Musiker das, was mit ihm beim Komponieren und auch im Zusammenspiel mit der Band geschieht. Mit seinen Kompositionen und seinem Spiel möchte Andreas Hertel die Menschen berühren. Gute und schlechte Musik sei nicht an der Komplexität festzumachen, sondern müsse einen inneren Gehalt haben. „Gute Musik hat ein Geheimnis“, weiß Hertel über das, was auf keinem Notenblatt steht und doch direkt ins Herz trifft. „Das ist es auch, was ich meinen Schülern weitergeben möchte.“ 

Weitere Infos und aktuelle Konzerttermine unter www.andreashertel.de. Foto: Helene Braun

Weitere Infos und aktuelle Konzerttermine unter www.andreashertel.de. 

Teilen
Vorheriger ArtikelGeschlecht sollte nicht ausschlaggebend sein
Nächster ArtikelRFV: Fahrturnier vor Gonsenheims Toren
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.