Horst Samson hat zehn eigene Gedichtbände veröffentlicht, für die er mit nationalen und internationalen Preisen geehrt wurde. Foto: Helene Braun

Bretzenheim – Dass den Singer-Songwritern die Themen nicht ausgehen, bewies Horst Samson mit seinem Konzert im ZMO. „Schlag zu, mein Herz!“ – Der Titel ließ schon erahnen, dass es emotional zugehen würde mit Horst Samson. Samson beklagte den Werteverlust in der Gesellschaft mit vielfältigen Beispielen, sang vom Wegsehen („Wir haben nichts gelernt“) und machte die Rechnung mit dem Schicksal auf und der „Maßlosigkeit des zugelassenen Unrechts“. Was, wenn Gott dann nicht antwortet?

Horst Samson kommt mit seiner Gitarre, nimmt seinen Platz am Mikro im ZMO stehend ein – noch hängen die Bilder der Wasserausstellung an den Wänden – und lächelt. Das Lächeln allein zeigt schon Wärme und Interesse für die Menschen. Dafür erhält er einen Vorschussapplaus. Die Melodien sind recht einfach, so ähnlich wie die von Hannes Wader in den 1970ern und Samson kündigt an, das Publikum mitzunehmen „auf eine Reise durch das Labyrinth des Lebens und der Liebe“. Er zitiert Albert Camus und Woody Allen und bedient sich einer sehr poetischen Sprache.

Die selbst komponierten Lieder, Liebeslieder und gesellschaftspolitische Songs, würzt er mit philosophisch grundierten Kurztexten über die Schönheit und die Niederungen des Lebens und der Welt. Das Mainzer Publikum genießt lustbetonte Hymnen, gefühlvolle Balladen, aber auch gesellschaftskritische Songs voller Engagement. Der sprachmächtige Liedermacher mit der ins Ohr gehenden rauchigen Stimme beweist sich als ein Virtuose des Genres und gibt Einblick in seine tiefsten Gedanken, wo er schließlich auch die Endlichkeit des Seins mit fortschreitendem Alter mehr und mehr im Blick hat. Doch bei aller Kritik, bei aller Klage, kommt doch immer wieder eine unbestechliche Liebe zum Leben und zur Liebe durch: „Schlag zu, mein Herz!“

Horst Samson

Der rumäniendeutsche Dichter, Liedermacher und Journalist gehört zum literarischen Freundeskreis der Nobelpreisträgerin Herta Müller. Er hat zehn eigene Gedichtbände veröffentlicht, für die er mit nationalen und internationalen Preisen geehrt wurde.

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